Sam Richwood ist 23 Jahre alt, Künstler und freiberuflicher Illustrator und lebt in Hertfordshire, England. Tagsüber arbeitet er als Grafik Designer und nachts malt er zu Hause in einem Zimmer, das er lieber niemandem zeigen mag. „Night time is serious business time“. Sam ist nahezu besessen davon, neue Dinge zu lernen und kann sich durchaus vorstellen, in einem Blockhaus im Wald zu leben. Er hat sein Studium im Jahr 2011 im Bereich Illustration abgeschlossen und hatte seitdem das Glück seine Arbeiten in verschiedenen Galerien zeigen zu dürfen. Unter anderem bei „Sotheby’s Colonnade Gallery“, „New Designers Exhibition 2011“ oder auch der „Saatchi Gallery“. Neben diesen Ausstellungen hat er auch schon ein Buch illustriert. Derzeit testet Sam die unterschiedlichsten Maluntergründe und arbeitet hart daran seine erste Einzelausstellung zu bekommen. Nun stand er uns zum Interview zur Verfügung.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Mein Stil hat sich im letzten Jahr sehr gravierend verändert. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich alle meine Arbeiten digital erstellt. Während meines Studiums war ich fest davon überzeugt Concept Artist zu werden und so verbrachte ich jede Minute mit lernen, ohne dabei grundlegend meine Fähigkeiten als Zeichner zu verbessern.

Es ist nicht ganz einfach zu erklären was passiert ist, aber ich fing an die Richtung zu hinterfragen in die meine Arbeiten sich entwickelten. Ich verbrachte so viel Zeit damit meinen Stil in eine bestimmte Richtung zu drängen, so dass ich zu zweifeln begann ob mir das schaffen von Kunst überhaupt noch Freude bereitet.

An einem Tag fand ich eine leere Leinwand hinter meinen Schreibtisch geklemmt und ich beschloss ganz ohne konkrete Idee irgendetwas was mir im Kopf schwirrte zu malen, ohne bestimmte Form oder Farbe. Das war mit Abstand der größte Spaß den ich seit Jahren beim Zeichnen hatte.

Ich habe das Gefühl, dass mein jetziger Stil ehrlich ist und nicht mehr erzwungen. Es gibt so viele Vorteile wenn die Kreativität ihren natürlichen Lauf nimmt. In dem Zustand vergisst man, dass man einen Pinsel hält und das Bild entsteht von ganz alleine, während ich mich auf die Idee als solches fokussiere.

 

Welche Techniken benutzt du in deinen Arbeiten?

Meine Arbeiten beinhalten einen Mix aus Acryl- und Ölfarben, Buntstiften, Graphit und Kreide. Ich liebe es mit Farben und neuen Wegen des Farbauftrags zu experimentieren. Zur Zeit arbeite ich daran meine Techniken auf verschiedensten Materialien und Oberflächen auszuprobieren. Ich lerne stetig neue Dinge.

 

Was gibt dir deine ständige Inspiration?

Ich versuche mich bei so vielen Künstlern wie möglich zu inspirieren, während ich jedoch darauf Acht geben muss, dass ihre Arbeiten keinen zu großen Einfluss auf meine nehmen.

Von Zeit zu Zeit erwische ich mich dabei, wie ich mich zu sehr in einen Künstler vertiefe. Wenn dessen Website dann zum täglichen Besuch wird, weiß ich, dass es Zeit ist ihre Seite aus meinen Lesezeichen zu löschen und mich auf die Suche nach neuen Künstlern zu machen. Das passiert mir ehrlich gesagt recht oft, so wird es schwer hier alle Künstler aufzulisten die Einfluss auf mich haben.

Selbstverständlich ist es auch essentiell Kunst-Blogs sowie Galerien zu besuchen. Aber ich denke jegliche Originalität würde verloren gehen, wenn ich mich nur mit anderer Leute Ideen sättigen würde. Die meisten meiner Ideen entstehen durch Geschehnisse in der Vergangenheit. Oft erinnere ich mich an diverse Ereignisse, während ich neue Dinge kennenlerne, die ich wiederum damit verknüpfe. Vieles was ich derzeit produziere, beschäftigt sich damit, Vergangenheit und Gegenwart einander gegenüber zustellen.

 

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von dir aus?

Normalerweise arbeite ich nachts. Während des Tages arbeite ich als Grafik Designer, um meine Rechnungen zu bezahlen. Über den Tag habe ich Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, was ich malen könnte. Nach dem Abendessen bin ich dann normalerweise bereit, um meinen Pinsel in die Hand zu nehmen und meinen Kopf voll neuer Ideen zu leeren. Wenn sich eine Idee erstmal in meinem Kopf festgesetzt hat, fällt es mir schwer, vor den frühen morgen Stunden ins Bett zu kommen. Wenn überhaupt.

Wo arbeitest du? Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Vor ein paar Monaten habe ich einem Freund geholfen eine kleine Galerie zu eröffnen. Er war so dankbar, dass er mir dort einen kostenlosen Arbeitsplatz anbot. Wir verbringen dort eine Menge Zeit mit Malen und Ideenaustausch. In die Galerie kommen jeden Tag eine Menge Künstler zu Besuch, was ich sehr zu schätzen weiß. Das ist der Ort an dem ich größtenteils mein Netzwerk aufbaue und nachts male ich dann einfach zu Hause.

Wie kann ich diesen Arbeitsplatz am besten beschreiben? Es ist schwer sich darin zu bewegen. Ich habe die Angewohnheit Holzfuniere, Leinwände und Papiere zu sammeln. Meine Wnde sind voll mit Seiten aus Naturmagazinen und nostalgischen Fundstücken, die ich über die Jahre gesammelt habe. Ich mag es nicht, Leuten diesen Raum zu zeigen, da sie denken ich sei verrückt.

 

Was treibt dich jeden Tag an?

Nicht zu wissen was am Ende einer Arbeit entsteht, das motiviert mich.

Wie vorher bereits erwähnt, lasse ich meiner Kreativität freien Fluss. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass es am Ende gut aussieht. Oft entsteht während des Zeichnens ein totales Desaster. Wenn ich dann aber am nächsten Tag über die Zeichnung rübermale, kann es passieren, dass plötzlich alles passt.

Ich glaube ich bin einem Spielsüchtigen sehr ähnlich, der den ganzen Tag vor einem einarmigen Banditen sitzt. Ich bin mit etwas konfrontiert, dass wahrscheinlich fruchtlos ist, doch der nächste Zug könnte der Gewinn sein.

 

Was würdest du machen wenn du kein Illustrator wärst?

Ich würde mich selbst als Künstler und Grafik Designer bezeichnen. Somit bin ich schon in mehrere andere Dinge involviert. Gerade versuche ich auf jede mögliche Art Geld mit meiner Kunst zu verdienen.

Wenn ich nicht malen würde, würde ich vermutlich an den Arsch der Welt auswandern. Ich mag die Vorstellung in einem Blockhaus im Wald zu leben.

 

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Fotos: Samrichwood.com