Heute erscheint das Debütalbum „Oh“ der Indie-Pop Band Pretty Mery K, mit dem sie direkt auf Deutschlandtour gehen. Eine Mischung aus simplem Pop und sehr abstrakten Arrangements, gepaart mit einer glasklaren Stimme ergeben einen sehr tiefen und eindringlichen Sound. Begleitet werden Meryem Kilic (Gesang), Michael Fromme (Schlagzeug), Dirk Häfner (Gitarre) und Ben Schadow( Bass) dabei auf dem Album von zwei Violinen, einer Viola und einem Cello, welche die Stimmung zusätzlich ausdehnen. Falls das alles nichts wird, werden wir Dirk als Güllefahrer und Meryem als Clown im Krankenhaus wiederfinden. Bis dahin sollte man die Zeit nutzen den wohl arrangierten Klängen der Band zu lauschen, die ihren Namen einem Song von Elliott Smith zu verdanken haben. Die drei Dresdener und der Hamburger standen uns nun zum Interview zur Verfügung.

Wie habt ihr als Band zusammengefunden?
Meryem, Dirk und Micha haben sich während des Studiums an der Musikhochschule Dresden kennengelernt. Wir haben im Herbst 2009 angefangen als Band zusammen zu arbeiten. Dirk kannte Ben von einer gemeinsamen China-Tour, bei der sie mit der Hamburger Sängerin „Kira“ unterwegs waren. Nachdem wir genügend Songs beisammen hatten, um zu touren, fragten wir Ben, ob er bei uns einsteigen will.

Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?
Im Großen und Ganzen: Indie-Pop. Allerdings mehr Indie als Pop.

Welche Musiker inspirieren euch?
Das ist bei jedem von uns natürlich unterschiedlich, alleine schon wegen dem Altersunterschied. Während einige Bandmitglieder schon so alt sind, dass sie die Beatles noch live hätten erleben können (haha), sind andere noch blutjung. Es gibt aber natürlich Schnittstellen: Bands wie The Beatles, Beach Boys, Radiohead, Grizzly Bear, Portishead, Joni Mitchell, Leonard Cohen oder Nirvana haben uns alle irgendwie begleitet. Und dann ist da natürlich noch Elliott Smith, nach dessen Song Pretty Mary K wir uns benannt haben.

Gibt es eine Idee zu eurem Album? Ein Konzept?
Nein, es ist kein Konzeptalbum. Es ist eine Sammlung von Songs, die uns gut gefallen.

Wie lange und  wo habt ihr an dem Album gearbeitet?
Wir haben Im Januar 2010 eine erste EP rausgebracht. Danach haben wir ca 1 1/2 Jahre lang Songs für das Album erarbeitet. Aufgenommen haben wir unser Album im August 2011 zum Teil in einem Studio in Hamburg, zum anderen Teil in einem Haus im Erzgebirge. Insgesamt haben wir 17 Tage mit dem Aufnehmen verbracht. Im Studio haben wir Bass, Gitarre und Schlagzeug gleichzeitig aufgenommen. Ausserdem haben wir auf Band aufgenommen. Uns war es wichtig, einen homogenen und kompakten Bandsound zu erreichen. Für die Gesangsaufnahmen und die Overdubs haben wir uns in ein abgelegenes Haus im Erzgebirge zurückgezogen.

Wie ist eure Herangehensweise beim Aufnehmen?
Wir haben in unserem Proberaum in Dresden jederzeit die Möglichkeit, aufzunehmen. Zu dem Zeitpunkt, als wir ins Studio gegangen sind, hatten wir von allen Songs schon sehr detaillierte Vorproduktionen, an denen wir uns dann orientiert haben. Ich denke, wir sind eine sehr detail-und soundverliebte Band.

Wie geht ihr vor wenn ihr Lieder schreibt?
Wir schreiben Songs mit Pop-Appeal, die aber weit entfernt vom Mainstream Pop sind. Uns macht es Spaß, erstmal unvoreingenommen an einen Song ranzugehen, um dann zu sehen, wie er sich entwickelt. Bei diesem Prozess kann es passieren, dass ein Song eher konventionell bleibt. Es kann aber genauso gut sein, dass wir beim Arrangement Wege gehen, die erstmal überraschend erscheinen. Meistens ergibt sich ganz von alleine, was dem jeweiligen Song am Besten steht. Generell sind wir eher an Zeitlosigkeit als an Trends interessiert.

Gibt es einen Chef in der Band oder herrscht Demokratie?
Wir sind eine demokratische Band.

Wo probt ihr? Wie oft probt ihr? Wie sieht euer Proberaum aus?
Wir haben einen kleinen Proberaum in Dresden, den wir uns mit anderen Bands teilen. Wir (Meryem, Micha und Dirk) verbringen so viel Zeit wie möglich dort, um an Songs zu arbeiten. Zu viert proben wir nur direkt vor Konzerten.

Wie sind die Erwartungen an die erste große Tour?
Wir werden in ausverkauften Hallen spielen und jeder mit einem Koffer voller Geld nach Hause kommen. Nein, im Ernst: wir haben ja letztes Jahr schon zwei Deutschlandtouren gespielt. Die Erfahrung zeigt, dass es für eine unbekannte Band schwer ist, Publikum zu ziehen. Wir hatten in der Vergangenheit Konzerte, die überraschend gut besucht waren, aber auch solche, bei denen mehr Menschen auf der Bühne, als vor der Bühne standen. Wir haben noch kein Label und müssen uns unser Publikum hart erarbeiten. Aber wir werden einen langen Atem haben und hoffen, dass sich mit jeder Tour mehr Menschen für uns interessieren.

Wie haltet ihr es mit dem Alkoholkonsum vor Auftritten?
Wir waren bisher erst einmal alle vorm Konzert betrunken. An dem Abend meinte der Veranstalter, dass es nicht viel Geld geben wird und wir unsere Gage „abtrinken“ müssen. Das haben wir dann auch gemacht. Es war sehr lustig. Ansonsten sind wir alkoholtechnisch sehr professionell und routiniert. Es gibt einen Schnaps vor jedem Konzert.

Gibt es eine besonders erwähnenswerte Backstagestory von euch?
Noch nicht, aber wir haben ein gutes Gefühl, dass sich das bei dieser Tour ändern wird.

Welches Festival/welche Location würdet ihr am liebsten bespielen?
Wir würden liebend gerne auf allen Festivals quer durch die Republik spielen.

Was würdet ihr machen wenn ihr keine Musiker wärt?
Mery: Ich wäre professioneller Clown und würde in Kindergärten und Krankenhäusern und so arbeiten, das fänd ich cool.

Dirk: Ich wollte als Kind mal Güllefahrer werden und bin in den Schulferien bei meinem Opa mit aufm Trecker gefahren – vielleicht würde ich das heute dann auch noch machen…

Micha: Es gibt keinen Plan B. Ich habe mich bewusst fürs Musikmachen entschieden und kann mir – zumindest im Moment – auch nichts anderes vorstellen.

Was treibt euch jeden Tag an?
Mery: Das Ziel, so zu leben, dass ich möglichst glücklich bin. Dazu gehören natürlich verschiedene Sachen. Aber  die Musik ist schon ein sehr starker Antrieb. Alles was Musik ausmacht, Klang, Harmonie, Groove, die Schwingungen, die entstehen, das ist ja das was man so liebt. Und wenn man die Chance hat, das mit anderen zu teilen, ist es um so besser.

Könnt ihr von der Musik leben?
Manche ja, manche nein, hängt davon ab, wie viele Leute zu unseren Konzerten kommen.

Was macht ihr wenn ihr nicht gerade Musik macht?
Mery: Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit Leuten, die ich mag und vor allem draußen.

Dirk: In letzter Zeit war ich relativ viel Ski fahren, Langlauf, das war toll. Von Dresden ist man sehr schnell im Erzgebirge, wo es sehr schön ist,  vor allem  mit  gutem tschechischen Bier.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?
So viel und so gute Musik zu machen wie möglich und viele, viele Konzerte spielen.

Fotos: Pretty Mery K Facebook // Florian Wenningkamp