Passend zu den sommerlichen Temperaturen und den aufkeimenden Frühlingsgefühlen locken neue Kollektionen uns, die Konsumenten, in die Läden großer Modeketten und kleinerer Labels. Für alle, die einmal sehen und anprobieren wollen, wie Mode aussieht, die wir eigentlich gar nicht zu Gesicht bekommen sollen, dem sei der Upcycling Fashion Store in Berlin-Mitte wärmstens empfohlen – Unikate garantiert!

„Upcycling, was’n das?“, könnte jetzt eure erste Frage lauten. Neben dem bereits seit Jahrzehnten bekannten Recycling gibt es seit einigen Jahren den Trend zum Upcycling – zum modischen Aufwerten von Kleidungsstücken, die ausrangiert wurden oder als „Abfall“ deklariert wurden oder aus Materialien bestehen, die bisher in einem ganz anderen Kontext verwendet wurden.

Wer das einmal live und in Farbe erleben will, dem öffnen Carina Bischof, Jonathan Leupert, Arianna Nicoletti und Luise Barsch gerne die Tür zu ihrem eigenen Laden, dem Upcycling Fashion Store in Berlin. Anfangs als Pop Up Store konzipiert haben die beiden ihren Laden auf so feste Füße gestellt, dass aus dem Momentum ein Dauerzustand wurde. Berlins erster und einziger Laden für Upcycling Fashion überrascht mit ausgefallen Kreationen aus den Materialien, die wir nie zu Gesicht bekommen sollten: dem so genannten Post- und Pre-Consumer Waste.

Dieser Müll entsteht bei der Herstellung unserer Kleidungsstücke – ob nun vom Verbraucher selbst nach dem Kauf seiner Ware (Post) oder durch die Textilindustrie, noch bevor das fertige Produkt auf dem Kleiderbügel hängt (Pre). Zu Letzterem gehören „Abfälle“ wie Fasern, Gewebe, Besätze, Fehlerware, Verschnitt und „neue“ unverkaufte Kleidungsstücke oder auch Musterteile. Irre, was alles nicht verwendet wird, obwohl noch funktionstüchtig und fashion-tauglich!

Nach so viel Theorie ein Einblick in die Praxis – und eine kleine Tour durch den Upcycling Fashion Store mit …

aluc: Das junge Label von Carina, Jonathan, Arianna und Luise (mehr dazu im Interview „7 Fragen“ mit Carina) versucht, die Kunden wieder „näher an das Produkt heran zu führen“. Jedes Stück hat eine individuelle Geschichte, ist Alt und Neu zugleich und immer einmalig. Im Mittelpunkt steht vor allem die Neuinterpretation des klassischen Männerhemdes. Der Clou neben dem schmalen Schnitt: Der abnehmbare Kragen, der immer gewechselt oder weg gelassen werden kann. As men like!

MILCH Eco Fashion: Designerin Cloed Priscilla Baumgartner arbeitet schon seit Ende der 90er Jahre unter dem Labelnamen MILCH im Bereich Mode und Kunst und prägte die deutschsprachige Upcycling-Szene. Abgelegte Herrenanzüge dienen nicht nur als Ideengeber, sondern auch als Ausgangsmaterial für das handverlesene Angebot – solltet ihr unbedingt vor Ort begutachten!

… Daniel Kroh und sein Label ReCLOTHINGS: Daniel Kroh ist Maßschneider und Modedesigner. Er verbindet mit seinem Label Handwerk und Design auf eine besondere Art und Weise: Er bekommt seine Materialien von einem Arbeitsbekleidungshersteller. Dieser vermietet die Bekleidung, kümmert sich wöchentlich um Reinigung und Reparatur und – Achtung – entsorgt die Kleidung nach maximal 30 Wäschen. Mit diesen Materialien arbeitet Daniel Kroh und macht aus vormals extrem strapazierfähigen und von Gebrauchsspuren gekennzeichneten Arbeitsklamotten extravagant geschnittene Jacken, Sakkos und Maßanzüge. Stilvoll!

Wer noch mehr erfahren will, dem legen wir unser Interview mit Carina ans Herz, in dem sie nicht nur erzählt, welche nächsten Schritte in Berlin geplant sind, sondern auch, für welche Designer sie sich begeistern kann und welche Entwicklungen im Bereich der „Grünen Mode“ für sie erkennbar sind. Spannend!

Wer noch mehr sehen (zum Beispiel Taschen von Sag+Sal sowie Kreationen von El Reinventor) will, sollte schnurstracks in den Upcycling Fashion Store in der Linienstraße 77 springen. Hotte Hü, meine Freundinnen und Freunde.

Fotos: Upcycling Fashion Store, aluc, MILCH Eco Fashion, ReCLOTHINGS