Wir leben in einer Gesellschaft, wo Massenkonsum und Wegwerfkultur an der Tagesordnung sind. Wir kaufen die neuesten H&M-Teile, um für den Moment ja trendsicher auszusehen und schon bald landen sie vergessen in der hintersten Ecke. Und während sich unser Schrank mit ungeliebten Kleidungsstücken füllt, entsteht auch immer mehr Materialmüll.

Zugegebenermaßen ist das französische Tradiotionsunternehmen Hermès das vollkommene Gegenteil der Billigketten und produziert nur mit den hochwertigsten Materialien. Doch umso wichtiger ist es hier auch, dass die kostbaren Reste aus Seide, Leder, Porzellan oder Kristallglas nicht auf die Mülldeponie wandern, sondern weiterverarbeitet werden.

Das hat sich auch die 55-jährige Pascale Mussard, aus der sechsten Generation des Hermès-Clans, gedacht und gründete 2009 kurzerhand das Kreativlabor „petit h“. Hier werden bei der Produktion übriggebliebene Rohstoffe oder Produkte, die es nicht durch die strenge Qualitätskontrolle des Familienunternehmens geschafft haben, wiederverwertet und in „Unbekannte Poetische Objekte“, kurz U.P.O, verwandelt. Durch den engen Dialog zwischen Designern und Handwerkern, wie etwa Sattler, Näherinnen, Goldschmiede und Kristallbläser, können auf diese Weise neue, einzigartige Gegenstände entstehen, die nicht nur hübsch anzuschauen sind, sondern meist auch noch einen Zweck erfüllen.

So wurden nach dem Motto der „Re-Kreation“ beispielsweise aus Stoff- und Porzellanresten wunderschöne Lampen kreiert. Eine beschädigte Glasvase, die mit buntem Kalbsleder verziert wurde, stützt ab sofort Bücher. Die Kelly-Bag, die bei der internen Qualitätskontrolle scheinbar einen Fehler aufwies, bildet nun den Korpus einer Kuckucksuhr. Leder und die berühmten Seiden-Carrés des Hauses schmücken weiterhin eine stilvolle Kommode.

Seit drei Jahren reisen die kunstvollen Objekte nun schon in einer Wanderausstellung durch Hermès-Boutiquen in aller Welt und waren bisher doch nur in zwei bis drei Geschäften pro Jahr zu sehen, was ihrer Einzigartigkeit sicherlich nochmal Ausdruck verleiht. Von 24. April bis 12. Mai 2012 machen die U.P.O erstmals halt in Deutschland, genauer in der Berliner Boutique am Kurfürstendamm 58. Hier können die Unikate allerdings nicht nur bestaunt, sondern sogar gekauft werden.

Wir werden bestimmt in der Boutique vorbeischauen und uns die Objekte live und in Farbe ansehen und hoffen natürlich, dass Hermès mit seinem Projekt auch weitere Mode- und Designunternehmen dazu anregt, ein solch kreatives und schönes Recycling zu betreiben.

Fotos: Hermès