Obwohl das Label erst dieses Jahr gegründet wurde, konnte Niels Peeraer mit seinen Designs bereits nicht nur zahlreiche Jurys, sondern auch die Presse vollends überzeugen. Das Redaktionsteam der Vogue betitelte ihn unlängst als den „Undergraduate to Watch“, eine Vielzahl von Online-Publikationen lobt ihn kontinuierlich in höchsten Tönen. Absolut zu Recht, wie ich finde. Denn das, was der gerade mal 22-jährige Belgier da leistet, verdient schlicht und einfach Anerkennung und Bewunderung.

Doch jetzt mal von Anfang an. Schon als Kind hatte Peeraer stets nach ‘Schönheit’ gesucht, studierte dann an der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen und konnte bereits mit seiner Bachelor-Kollektion gleich drei renommierte Preise einheimsen, unter anderem den Innovation Award von bvba 32, dem Mutterunternehmen hinter Ann Demeulemeester und Haider Ackerman. Seine Master-Kollektion brachte ihm sogar noch fünf weitere ein und wurde kurzerhand im Mode-Museum Antwerpen und dann bei der Paris Fashion Week S/S 2011 ausgestellt. Nach seinem Abschluss 2011, zog Niels in die französische Hauptstadt und gründete dort sein Accessoire-Label.

Bei seinen Entwürfen trifft nüchtern auf verspielt, steifes Leder auf leichtes Tüll, scharfe geometrische Formen auf märchenhafte Details. Die Menschen zu kontrastieren scheint sein oberstes Ziel, wie er gegenüber dem Belgischen Blend Magazine erklärte: „People own many characteristics and on different occasions we show different sides of ourselves. So for me it would be very illogical to only dress according to one side of yourself. I want to keep a perfect balance between cute and tough, romantic and aggressive.“

Peeraers Inspirationsquellen sind grenzenlos. Ob die Tierwelt, Ritter- und Gladiatorenrüstungen, der Olymp oder altes Japan – all das scheint den jungen Designer bei seinen Kollektionen beeinflusst zu haben. Und immer drehen sie sich um eine Geschichte, so schön ungewöhnlich und so herrlich naiv, dass man meinen könnte, die wäre dem Kopf eines Kleinkindes entsprungen.

„I’m confused, I’m sitting here on the sofa, the heart my boyfriend drew on the mirror is still there, my heart in a rice cooker. I think I’ll marry him again at lunch. My cat is sleeping but it’s already been four days. Well, I have to go to the supermarket anyway. Guess technology isn’t ready for pancake teleportation.“

So wie der letzte Satz, heißt auch seine Master-Kollektion und erzählt die Geschichte eines japanischen Jungen, der Tag für Tag Videospiele spielt, Süssigkeiten isst und sich immer wieder darauf vorbereitet, seinen imaginären Freund zu heiraten. Der trägt Chanel-ähnliche Overalls aus Tweed und dazu niedliche Kopfbedeckungen, wie etwa plüschige Kappen mit Bärenohren oder ein kunstvolles Kopfband aus Leder, welches Häschenohren, Flügel, die an den Götterboten Hermés erinnern, und eine Krone in sich vereinen. Super-’kawai’ sozusagen.

„I always try to live and breathe my collection in order to really understand the character that I created. This way I am able to enhance the collection even more. I need to know how he eats, looks at things, the way he sits“, sagte Niels im Blend-Interview. Leder-Accessoires kombiniert Peeraer mit weißen Tüll-Röcken, die er gerne auch mal selber trägt. Zusätzlich greift er zu spitzen goldenen Nieten, die an der Vorderseite der ledernen Korsetts befestigt sind und die zarte Person, die darin steckt, vor dem Bösen der Welt zu beschützen scheinen. An die Füße kommt da ein Mix aus Gladiatoren- und Geisha-Sandalen.

In der aktuellen Herbst/Winter 2012 Kollektion mit dem poetischen Namen „The snake and the lotus, the curse of the white fox“ versuchen ein Mädchen und ein Junge hingegen die Tradition ihrer Familienwappen aufrecht zu erhalten. Den Schwerpunkt legt der Van Beirendonck Schüler hier auf Taschen, Harnesse und geometrische Formen. Etwas erwachsener und kommerzieller zeigen sich die neuen Entwürfe, bestechen aber dennoch mit spannenden Details und der richtigen Portion ‘cuteness’. Schwere Metall-Elemente verbinden hier die klar geschnittenen Ledermaterialien, simple Schleifen oder Leder-Metall-Verbindungen bilden ganz überraschend Augen und lockern so die fast schon rosafarbenen Accessoires auf.

„Created for any dreamer who feels connected or touched by the piece, surpassing the boundaries of womenswear and menswear. Peeraers’ world is not about shocking or making a statement, it’s simply about bringing an innocent happiness to the seriousness of everyday life.“ Und genau das schafft der Belgier auch perfekt mit seinen Designs. Mode, die nicht nur schön ist, sondern einen auch zum Schmunzeln bringt, ist uns schließlich die liebste und wird hoffentlich auch andere dazu anregen, das Kind in sich wieder zu entdecken.

Fotos: Wenn-Kee Hsu // Dirk Alexander // Lalo Gonzalez