Gunnar Rönsch und Stephen Molloy öffneten uns die Pforten zu ihrer Wohnung, die Dank ihrer zwei Etagen auch gleichzeitig als Studio und Büro genutzt wird. Unter dem Synonym „The Fundamental Group“ entwickeln die beiden studierten Architekten der Produkte und arbeiten auch weiterhin an Architekturprojekten. Direkt nach ihrem Studium an der Universität der Künste Berlin zogen sie gemeinsam in eine ziemlich heruntergekommene Wohnung ein. Nach einem Winter ohne Heizung und der Erkenntnis reicher, dass man gut miteinander klar kommt, entschlossen sich die beiden von ihrer ursprünglichen Konkurrentenposition Abstand zu nehmen und zusammen zu arbeiten.

Gunnar legte noch einen Zwischenstopp im etwas sonnigeren Kalifornien ein, bevor ihn ein Forschungsauftrag der TU Dresden wieder nach Deutschland brachte. Dies war zugleich der Startschuss für The Fundamental Shop. Bei der Frage nach Inspirationsquellen erzählt uns Stephen von seiner Besessenheit als Kind Muster und ihre Regeln zu verstehen. Zusammen mit Gunnar arbeitet er nun an der Vision ihre Umgebung mit einer unperfekten und organischen Struktur zu versehen. Vom kleinsten Detail bishin zum städtischen Maßstab. Die bisher entstandenen Produkte findet man in ihrem eigenen Shop. Gunnar und Stephen waren so lieb uns ein paar Fragen zu beantworten und uns ein paar Fotos machen zu lassen.

Was ist die Philosophie hinter eurer Arbeit?

GR: Egal in welchem Maßstab, wir haben eine ausgesprochene Liebe zu Mustern, geometrischen sowie mathematischen Strukturen und modernsten Produktionstechniken. Dies versuchen wir in unsere Arbeit einfließen zu lassen.

SKM: Wie alle Architekten sind wir besessen von Ordnung. Aber im Gegensatz zu einem krampfhaften Minimalismus, interessiert uns viel eher wie sich natürliche Situationen mathematisch strukturieren. Wir wiederholen und variieren, benutzen Fragmente um mit Maßstabssprüngen umzugehen und untersuchen Geometrien die eine unperfekte, 98-prozentige Symmetrie ermöglichen. So kommen wir mit klaren und deutlichen Formen der Natur entgegen.

 

Wie entsteht ein Produkt?

SKM: Wir stellen uns viele Fragen. Es gibt deutlich weniger sinnvolle Antworten, als es Fragen gibt. Die Produkte sind die Antworten darauf. Wenn wir die Antworten haben, tasten wir uns im Puppenhaus-Maßstab und in der Zeichnung heran. Die spannendsten (und oft herzzerreißendsten) Momente sind die 1:1 Prototypen. Danach setzen wir uns mit den Produzenten zusammen und lösen die ganzen schwierigen Verbindungen und Fügungen untereinander. Es ist ein sehr langer Prozess bis alles richtig sitzt und manchmal hat es etwas von einer Achterbahnfahrt, manchmal eher von einem Labyrinth.

 

Wo arbeitet ihr? Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?

GR: Computer, kein fester Arbeitsplatz, Daten in „The Cloud“.

SKM: Unser Büro, Wohnung und Studio fließen räumlich ineinander. Ich bin oft an der Uni und habe da auch ein Büro, was für das Schreiben gut ist. Wir sind aber auch oft auf der Baustelle tätig oder in verschiedenen Werkstätten bei der Optimierung von verschiedenen Produktionsverfahren. Was ich am allerbesten finde ist, dass wir das Glück haben unser Büro ziemlich zentral am Rosenthaler Platz zu haben. Für mich heißt das, dass ich oft mit diversen Freunden aus sehr unterschiedlichen Berufen frühstücken oder lunchen kann um mich von anderen Denkweisen inspirieren zu lassen.

Wie funktioniert es gleichzeitig zusammen zu wohnen und zu arbeiten?

GR: Frag mal Stephen… Ich denke jedes gute Team muss sich kennen, um Hervorragendes zu leisten und wir kennen uns sehr sehr sehr gut. Haha.

SKM: In der Wohnung zu arbeiten war Gunnars Idee. Ich war sehr dagegen, aber ich muss gestehen, er hatte Recht. Unsere Wohnung besitzt zwei Etagen, was eine relativ natürliche Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten ermöglicht, so dass unsere Mitarbeiter sich nicht in der Waschküche verlieren. Für mich hat das im Moment nur Vorteile und kaum Nachteile, aber es ist uns klar, dass wir gerade wachsen und diese glückliche Situation irgendwann hinter uns lassen müssen.

 

Was wäre euer Lieblingsprojekt für die Zukunft?

GR: Ich würde gern das erste Headquarter der Piratenpartei bauen. Wenn das schon passé ist, dann eine Kirche, Konfession egal.

SKM: Genau wie Gunnar, für Kirche, Kultur oder Politik zu bauen ist natürlich eine große Ehre. Ich werde aber auch nicht glücklich sein bis ich ein wirklich erstklassiges Altersheim gebaut habe. Ich habe nie eins gesehen, das ich annähernd für akzeptabel halte. Ich glaube die Schnittstelle zwischen Wohnen und Gesundheit wird die nächsten Jahren von neuen Dynamiken profitieren. Es werden neue Modelle getestet und ich hoffe, dass wenn ich so weit bin, dass ich meine letzten Tage an einem inspirierenden Ort verbringen kann, wo man mich gern besucht.

 

Was treibt euch jeden Tag an?

GR: … ein Abbild unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu schaffen. Also wo stehen wir, was wollen wir und wo wollen wir hin. Das sollte man mit Design und Architektur erreichen können. Andere schreiben, malen Bilder oder entwerfen Gesetzestexte.

SKM: Die Welt schöner zu hinterlassen als ich sie vorgefunden habe.

 

Was macht ihr wenn ihr nicht gerade Produkte entwickelt?

GR: Schlafen.

SKM: Essen.

Fotos: Florian Wenningkamp