Die beiden Hamburger Uwe Jens Bermeitinger und Hans Bussert, die einem sonst bereits durch das Nude Paper bekannt sein dürften, haben nun beschlossen ihre Spielwiese mit einem neuen Magazin zu erweitern. So liebes TISSUE Magazin, vor einigen Tagen ist mir nun also deine erste Ausgabe ins Haus geflattert. Du bist ein wunderbares Heft mit vielen Bildern und wenig Text. Genau wie ich es liebe! Um genau zu sein, bist du ein Heft voller toller Fotos und noch tolleren Fotografen – Das würde ich jetzt jedenfalls sagen, wenn ich dich schnell in der Bahn durchgeblättert hätte. Stattdessen habe ich dir einen ganzen Morgen und zwei Tassen Kaffee gewidmet.

Sex ist dein Thema und gleichzeitig dein Problem. Das Vorwort in zwölf Sätzen, dass du Sex als Kunstform abbildest und Sex an Orte bringst, an denen man wohl eher nicht an Sex denkt. Und während du versuchst Sex als das Normalste der Welt anzusehen, verwendest du in zwölf Sätzen neun Mal das Wort „Sex“ und weist darauf hin, dass es bei dir nicht um Sex geht. Und im Grunde hast du sogar Recht. Es gibt keinen Sex. Du machst weder Lust auf Sex, noch gibt es eine anspruchsvolle oder künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Sex oder dem nackten, weiblichen Körper.

Auf 75 Seiten zeigen 23 Fotografen insgesamt 15 Models, 11 Paar Titten, 9 Muschis, 2 Penisse und 1 Pferd. Bei so viel geballter Nacktheit verliert man schnell den Blick für das wirklich Ästhetische. Allerdings gibt es einen Lichtblick: Die Arbeiten von Nico Krijno und Florian Raz machen Spaß. Schöne unangestrengte Bilder. Natürlich nackt. Beide Bilderreihen machen jedoch Lust auf mehr. Mehr Bilder, mehr Nacktheit, mehr Farbe, mehr Auseinandersetzung.

Zugegeben, ich verstehe wenig von konzeptioneller Redaktionsarbeit und noch weniger von Brüsten. Was ich dir allerdings mit auf den Weg geben möchte liebes TISSUE Magazin: Dein Cover benötigt definitiv mehr Sex. Der Inhalt benötigt um so weniger Sex und im Anhang fehlt das Taschentuch für gemeinsame Stunden mit dir – das wäre sexy! Zum virtuellen Durchblättern einmal hier entlang bitte und Hände auf dem Tisch.

Fotos: Florian Wenningkamp