Vergangenen Montag fand im Metropolitan Museum of Art in New York der Met Ball statt. Zum ersten mal sogar per Livestream übertragen, konnten alle Neugierigen das glamouröse Geschehen auf dem roten Teppich verfolgen. Dafür warfen sich die Stars ganz besonders in Schale und natürlich haben zahlreiche Mode-Medien darüber berichtet. Aus diesem Grund folgt hier nun auch keine rückblickende Bewertung der Abendroben, stattdessen widmen wir uns dem eigentlichen Anlass der diesjährigen Gala und möchten euch die Ausstellung Schiaparelli and Prada: Impossible Conversations“ vorstellen.

In einem multimedialen Konzept befasst sich diese mit den italienischen Designerinnen Elsa Schiaparelli (1890–1973) und Miuccia Prada, die zwar in verschiedenen Jahrzehnten leben und ihre Mode kreieren, beide jedoch ähnliche Themen in ihren Kollektionen behandeln. Ähnliche Themen, die sie allerdings ganz unterschiedlich interpretieren, und so brauchen diese gegensätzlichen Standpunkte auch eine besondere Ausstellungsform. Inspiriert von Miguel Covarrubias Vanity Fair-Reihe „Impossible Interviews“ aus den 1930er Jahren, inszenierten die Kuratoren Harold Koda und Andrew Bolton vom Costume Institute deshalb Gespräche zwischen den beiden Modeschöpferinnen und wollen uns so eine neue Sichtweise auf ihre Werke präsentieren.

„Wir wollen etwas kreieren, das komplett anders ist, aber unserer Strategie entspricht, Dinge in der Gegenwart zu betrachten, die uns in die Vergangenheit führen. Wir haben mit einer Menge Ideen gespielt. Als wir dann Schiaparelli als Herzstück der neuen Ausstellung festlegten, war es ein logischer Sprung zu Miuccia. Beide sind Italienerinnen – und auch wenn Miuccia sich selbst nicht als Feministin bezeichnen würde, so sind sie beide sehr starke Frauen mit einer überzeugenden Ästhetik“, erklärten die Kuratoren der Ausstellung.

Aufgeteilt auf sieben Gallerien, die jeweils unter einem anderen Motto stehen, werden hier an die 100 Designs und 40 Accessoires von Schiaparelli(späte 20er bis frühe 50er Jahre) und Prada (späte 80er Jahre bis heute) ausgestellt und von simulierten Videogesprächen, die unter der Regie von Baz Luhrmann entstanden, begleitet. Mit Hilfe von Schauspielerin Judy Davis, welche durch paraphrasierte Zitate Schiaparelli wieder aufleben ließ, bringt Luhrmann beide Modeikonen an einen gemeinsamen Tisch und begeistert die Zuschauer mit spannendem Meinungsaustausch.

Unter dem Motto „Waist Up/Waist Down“ werden in der ersten Gallerie Stücke ausgestellt, die Schiaparellis Detailverliebtheit oberhalb der Taille zeigen, welche aufgrund der damaligen Café-Kultur entstand, während Pradas spektakuläre Beinbekleidung die moderne Weiblichkeit unterstreicht. Weiterhin beherbergt diese Gallerie zusätzlich die Sektion „Neck Up/Knees Down“ und damit Schiaparellis Hut- und Pradas Schuhkollektion.

In den drei Bereichen „Ugly Chic“, „Hard Chic“ und „Naïf Chic“ zeigt das Museum Designs und Ansätze, die mit gutem und schlechtem Geschmack, Einflüssen aus der Herrenmode sowie Gedanken um altersgemäße Kleidung spielen. In den drei letzten Ausstellungsräumen, welche unter den Mottos „The Classical Body“, „The Exotic Body“ und „The Surreal Body“ stehen, kann man hingegen sehen, welchen Einfluss das 18. und 19. Jahrhundert sowie die östliche Kultur auf die beiden Modedesignerinnen hatten und inwiefern sie, im Gegensatz, mit ihren Kollektionen die zeitgenössischen Erscheinungsbilder beeinflusst haben.

Pünktlich zur Met Gala und zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag wurde übrigens außerdem, nach 60-jähriger Abwesenheit, das Comeback der Marke Schiaparelli bekannt gegeben. Bereits im Juli soll in Paris die erste Boutique des Labels eröffnen. Nach der Bekanntgabe der Designer im Oktober, werden die ersten Entwürfe dann für März 2013 erwartet. „Das neue Schiaparelli-Universum wird aus speziellen Kollektionen bestehen, die Elsas Stil sehr gut repräsentieren und einen starken Fokus auf Accessoires legen“, so das Couture-Unternehmen.

Noch ein Grund also, die Ausstellung zu besuchen. Wenn ihr also gerade oder diesen Sommer noch, genauer bis zum 19. August 2012, in New York verweilen solltet, dann empfehlen wir euch unbedingt einen ausgiebigen Besuch im Metropolitan Museum. Wir selbst würden auch nur zu gern.

Fotos: The Metropolitan Museum of Art