In jedem Magazin lächeln uns Menschen mit gesunden Haaren, schönen Zähnen, praller Haut und einem wohlgeformten Körper an. Ohnehin schon hagere Damen regen zum Kauf von Diät-Produkten an, Prominente stellen öffentlich zur Schau, wie sie mit Hilfe der plastischen Chirurgie auf einmal 20 Jahre jünger aussehen. Inmitten dieser schönheitsgeilen Gesellschaft scheint „Model“ der perfekte Beruf zu sein, um sich mit dem zu Schmücken, was ein jeder anstrebt: Äußerliche Perfektion.

Heidi, Anna, Eva oder Tyra zeigen uns eindrucksvoll ein Leben zwischen Flugzeug, rotem Teppich und teuren Stoffen. Zweifelsohne nicht die schlechteste Vollzeitstelle. Und wer hatte als Teenager nicht den Traum genau diese Vollzeitstelle irgendwann besetzen zu können? Doch auch im Modelbusiness gilt in etwa die Devise „Zeit ist Geld“ – je jünger desto besser, und dementsprechend sind es besonders die wehrlosen Kids, die viel zu oft Opfer der knochenharten Modebranche werden.

Natürlich wissen wir insgeheim, dass hinter der Verkörperung des Makellosen, Idealen immer wieder Essstörungen, Ausbeutungen und unmenschliche Verhältnisse stehen. Trotzdem ist die glamouröse Illusion so groß, dass es Modelsuizide, wie den von Daul Kim oder Tom Nicon braucht, um das Körperbewusstsein auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen und den vermeintlichen Traumjob ins Wanken zu bringen. Die Dokumentation „Girl Model“ von David Redmon und Ashley Sabin ist so ein Illusionskiller.

Sie zeigt die 13-jährige Nadya Vall, die in Sibirien entdeckt und in ihrem Alltag als Model mit einer Kamera begleitet wird. Der komplette Film ist derzeit nur in England, Irland und Kanada zu bekommen, aber bereits der Trailer lässt Abartigkeit erahnen: Ein weinendes, spindeldürres Teenager-Mädchen, das zwischen Mama und Modelbranche steht. Mit der Zusicherung einer profitablen Karriere, die der sibirischen Familie aus den ärmlichen Verhältnissen helfen soll, springt das Mädchen in das Modelhaifischbecken, welches alles andere als ein cooles Jetsetleben mit Partys und Prunk bereithält. Girl Model ist gewiss ein Film, der schon allein wegen seiner unglaublich authentischen Dokumentationsart mehr als sehenswert scheint.

Fotos: Girl Model