Dass Bio-Kosmetik und Pflegeprodukte auf natürlicher Basis nicht aussehen müssen wie aus dem hintersten Reformhausregal hat die Schönheitsindustrie längst verstanden. Manche Labels haben es sogar geschafft, ihren „grünen“ Produkten durch ansprechendes Design und gute PR mit Celebrities den gewissen Glamour-Faktor zu verleihen. Solche Marken, aber auch Insider, Neulinge und Luxuriöse führt Eva Grossert für Frauen, Schwangere, Babys und Männer in ihrem hipp aufgemachten Online-Shop all for eves. Kalinka.Kalinka hat nun mit Eva über den Öko-Kosmetik-Hype, die Bedeutung von Nachhaltigkeit und ihren Shop gesprochen. Zusätzlich verrät uns die Bio-Beauty-Expertin noch ihre Pflege-Top 3 für den Frühling.

Wie bist du auf die Idee gekommen, all for eves – einen Online Shop für Naturkosmetik und Pflege, zu gründen?
Es war keine einfache Idee, sondern ein längerer Prozess. Angefangen hat es mit dem Wunsch – den viele kennen – sich selbstständig zu machen. Nur fehlte mir zu diesem Zeitpunkt die zündende Idee. Irgendwann begann dann ein neuer Lebensabschnitt – vieles hat sich verändert: Ich habe eine Familie gegründet, habe so auch mehr Abstand vom Business und dem Jet Set-Leben als Communication & Brandmanagerin bei Nike bekommen. Ich bin in meinem Job viel gereist und habe viele interessante Pflegeprodukte, die man in Deutschland nicht kaufen konnte, entdeckt. Weil ich schon immer ein Naturkind und Landei war, dachte ich, es wäre für mich das Richtige, eben diesen Naturprodukten aus aller Welt eine Plattform zu geben. So entstand all for eves und ich wurde selbstständig.

Nach welchen Kriterien suchst du Labels für dein Sortiment aus?
Vor allem muss es sich um Naturkosmetik mit einem sehr hohen Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen (denn nicht in jeder vermeintlichen Naturkosmetik steckt viel Natur drin) handeln, idealerweise sogar um zertifizierte Biokosmetik. Aber da bin ich nicht so streng, denn diese Zertifizierungen sind vorwiegend auch ein Marketing-Tool, das sich kleine Marken oftmals nicht leisten können, obwohl sie den Kriterien in jedem Fall gerecht werden. Neben den „inneren Werten“ ist mir die Optik wichtig. Mir gefällt es, kleine, feine, hippe Marken zu entdecken, die gut sind, gut aussehen und die es nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt.

Wie überprüfst du, ob die Produkte auch wirklich „öko“ sind?
Ich arbeite mit kleinen Marken zusammen, denen ich vertraue. Hinter den Marken stehen immer Einzelpersonen mit einer Leidenschaft, etwas zu ändern, und einer gewissen Moral und Ethik. Bisher lag ich mit gründlicher Recherche und testen immer richtig.

Wie setzt du Nachhaltigkeit bei deiner Arbeit um (Versand von Paketen, Stromverbrauch etc.)?
Ich verschicke mit DHL Go Green, versuche Verpackung und Versandmaterialien so gering wie möglich zu halten. Verwende Recycling-Kartonagen, Umweltpapier für den Druck, recyceltes Packpapier als Füllmaterial, hoste den Shop bei einem „grünen“ Hoster, und stelle im neuen Büro gerade auf Ökostrom um. Zudem produzieren wir selbst Solarstrom. Eigentlich alles Sachen die selbstverständlich sein sollten.

Welche der Marken verkaufst du exklusiv in Deutschland?
Ich habe viele Marken exklusiv nach Deutschland bzw. den deutschsprachigen Raum gebracht, wie z.B. Absolution, Scotch Naturals, Erbaviva, Pure & True, Cowshed, This Works, Jo Wood Organics, Priti NYC. Mittlerweile sind einige Händler nachgezogen. Derzeit exklusiv verkaufe ich die neuen nostalgischen Trockenshampoos von LULU Organics.

Was ist dein momentanes Lieblingsprodukt?
Ich probiere natürlich viel Neues aus. Es haben sich jedoch drei Klassiker etabliert, auf die ich nicht mehr verzichte: Reinigungsmilch „Awaken“ von Pure und True – riecht unglaublich gut, macht tolle Haut wie gecremt. „Perfect Legs Skin Miracle“ von This Works – schöne, leicht gebräunte Beine zu jeder Jahreszeit und die neue Maske von Absolution „Le Soin Repulpant“. Übernacht einwirken lassen und 10 Jahre jünger aufwachen.

Worauf muss man beim Kauf von Naturkosmetik achten?
Die Begriffe „Bio-Kosmetik“ und „Naturkosmetik“ sind nicht geschützt. Das heißt, theoretisch kann jeder Hersteller „Natur“ oder „Bio“ auf sein Produkt schreiben (was viele herkömmliche Marken auch tun). Der Verbraucher hat keine Garantie, dass darin auch tatsächlich nur natürliche Inhaltsstoffe enthalten sind. Für uns Konsumenten ist es schwierig, durchzublicken. Die gängigsten Siegel (Ecocert, BDIH, Natrue, Soil Association, USDA, Cosmebio) geben daher etwas Orientierung und Sicherheit. Diese garantieren zwar auch nicht 100 Prozent Natur, aber jede Aussage, die der Hersteller trifft, ist überprüft und das Produkt kontrolliert.
Zusätzlich gilt es auf die Liste der Inhaltsstoffe zu achten. Die Deklarationsliste gibt Aufschluss, wo die Inhaltsstoffe laut EU-Kosmetik-Richtlinie in abnehmender Reihenfolge ihres prozentualen Anteils aufgeführt sind. Sprich: Stoffe am Anfang der Liste haben den größten Mengenanteil, zuletzt genannte den kleinsten. Da wir jedoch alle keine Chemiker sind, verwirren die lateinischen Namen oftmals und es ist schwer zu durchschauen, welcher Inhaltsstoff sich nun wirklich hinter dem Namen verbirgt. Toll sind Seiten wie Kosmetikanalyse oder Codecheck. Dort kann man sich über Inhaltsstoffe informieren.

Fotos: all for eves