Das Berliner Erfolgsduo Kaviar Gauche war einer der wichtigsten Namen auf dem Schauenplan am Eröffnungstag der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Zur fortgeschrittenen Stunde gelang es den beiden Designerinnen mühelos am Abend die Creme de la Creme des deutschen Modejournalismus und eine hohe Promidichte im Zelt an der Siegessäule zu versammeln, wo sie ihre neue Frühjahr/Sommer 2013 Kollektion „Toxic Touch“ präsentierten, eine wahre Liebeserklärung an das urbane Berlin. Denn das Label erfindet immer wieder auf ein Neues die passende Uniform für den Urban Jungle.

Was die Anwesenden zu sehen bekamen war ein Spagat zwischen avantgardistischen Ansätzen, tragbaren Bestandteilen und Brautmoden-Einflüssen. Braut-Couture ist bekanntlich das Steckenpferd des kreativen Schaffens von Alexandra Fischer-Röhler und Johanna Kühl und eine nicht zu verachtende Einnahmequelle für das Label. Die Opulenz der Roben hielt sich jedoch – sehr zum Vorteil ausgefeilter minimalistischer Entwürfe – in Grenzen, bis auf eine weiß-zitronenfaltergelbe Seiden-Wolke. Im weitesten Sinne ist die Kollektion eine Homage an das urbane Berlin, das durch seine andauernde Aufbruchsstimmung ständige Neuerfindung von seinen Bewohnern fordert.

Highlights der Show waren lochgemusterte Leder- und Seidenkombinationen, deren Wabenmuster vor allem an asiatischen Models Science Fiction-Kostüm-Charakter ergaben. Inspiriert wurden sie von Formen der Natur, ebenso wie die Signalfarben, für die sich das Duo bei den giftigsten Lebewesen aus Flora und Fauna bediente. Die labeltypischen Lamellen und strahlenförmigen Schnitte stellen eine Rückkehr zu den Anfängen des Labels dar, allerdings auf weiterentwickelte Art und Weise. Ledergürtel zur Formgebung und metallische Einsätze fügten manch zarten Chiffon-Kleidern coole Strenge hinzu. Bikerjacken, auffällig platzierte Reisverschlüsse und Metallschließen erdeten Tüllexplosionen. Schößchen, Clutches, zurückhaltender Schmuck und Schlangenleder sorgten für besondere Eleganz. Kaviar Gauche zeigt somit erneut, wie geheimnisvoll, stark und glamourös die urbane Avantgarde doch sein kann.

Fotos: Corina Lecca