Max Gärtner ist ein Forscher unter den Illustratoren. Wäre er kein Künstler, wäre er wohl Meeresbiologe geworden, behauptet er. Er bezeichnet sich selbst als visueller Künstler, da er seine Zeit mit verschiedenen Projekten verbringt. Ausstellungen, Streetart-Projekte, Animationsaufträge und Illustrationen sind die Dinge mit denen Max sich beschäftigt. Inspiration findet er vor allem in der Tierwelt. Er hat Gefallen daran gefunden in seinen Ausstellungen eine Art modernen Dschungel voller verschiedener Kreaturen zu erschaffen. Menschen findet man jedoch selten bis gar nicht in seinen Arbeiten, obwohl er während seines Studiums sehr oft Menschen gezeichnet hat.

Tiere dagegen geben ihm die Möglichkeit sich forschend mit dem Motiv auseinander zu setzen, ohne subjektive Einflüsse einwirken zu lassen. Emotionen die sich dort eventuell bilden stehen Max bei der grafischen Darstellung im Weg und daher fühlt er sich viel wohler das Tierreich zu erforschen. Max Gärtner ist einer der bescheidenen Künstler und freut sich wenn er in Zukunft mehr und mehr Ausstellungen wahrnehmen kann und seine Kunst der Welt präsentieren darf. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und wir hatten die Freude, ihm ein paar Fragen stellen zu dürfen.

Welche Techniken benutzt du in deinen Arbeiten?
Wenn ich auf Papier zeichne, skizziere ich meist grob mit Bleistift vor, danach benutze ich schwarzen Fineliner oder Tusche. Auf Leinwand oder Holz verwende ich Posca (japanische Filzstifte), kombiniert mit verdünnter Acrylfarbe. Auf Wänden arbeite ich mit Sprühdose und Außenwandfarbe.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Die verschiedenen Methoden und Medien meiner Kunst werden nicht durch das Bedürfnis beherrscht, einen einzigen Stil auszudrücken, sondern durch das Verlangen, mehrere Darstellungsformen zu entwickeln, die meine Faszination für das Tierreich und ausgefallene Kreaturen zum Ausdruck bringen.
Meine Illustrationsarbeiten unterscheiden sich sehr von meinen Bildern, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Als Illustrator zeichne ich gerne simple, witzige Charaktere. Meine Leinwände hingegen würde ich als detailreich, aber schlicht und grafisch abstrahiert bezeichnen. Ich lege sehr viel Wert auf die Persönlichkeit der mit Hand gezeichneten Linie, die jede meiner Arbeiten prägt. Sie funktioniert wie eine grafische Suche, die meine persönliche Gradwanderung zwischen Humor und bewusster und unbewusster Reflexion widerspiegelt. Gleichzeitig entdecke ich durch sie neue zeichnerische Ausdrucksformen. Die einfache Linie bildet also in jeder Hinsicht das Herzstück meiner Kunst.

Was gibt dir deine ständige Inspiration?
Ich finde, das Leben an sich ist schon ziemlich inspirierend. Ich bewundere Künstler wie Walton Ford, AJ Fosik, Josh Keyes, Egon Schiele und Eduardo Chillida. Auch der Zoologe und Illustrator Ernst Haeckel ist für mich Inspiration, sowie Poster mit Zeichnungen der verschiedenen Fisch-Spezies der Meere, Tierdokumentationen und Ferien am Meer.

Wo arbeitest du? Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Zur Zeit habe ich mein Atelier in meiner Wohnung, ich bin dort aber noch am Einrichten. Ich wohne seit etwa einem Monat in dieser neuen Studio-Wohnung und produziere nun hier meine Illustrationen und Bilder.
Früher habe ich es bevorzugt, meinen Arbeitsplatz getrennt von meinem Zuhause zu haben, um meine Arbeitszeit von meiner Freizeit klar trennen zu können. Mittlerweile finde ich es so aber angenehmer.

Was wäre dein Lieblingsprojekt für die Zukunft?
Mein Traum wäre es, eine Ausstellung nach der nächsten machen zu können, am besten in vielen verschiedenen Ländern. Ich möchte gerne neue Möglichkeiten finden, mit denen dem Besucher mehr geboten wird, als nur Bilder an den Wänden. Eine Ausstellung sollte ein Erlebnis sein, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Es handelt sich also nicht um ein einziges Lieblingsprojekt, sondern um viele Projekte auf einmal – ein Lebensprojekt sozusagen.

Wann bist du am produktivsten?
Am produktivsten bin ich, wenn ich ein Ziel vor Augen habe. Wenn ich zum Beispiel an einem Projekt, sei es nun für eine Ausstellung oder einen Illustrationsauftrag, arbeite, das mir sehr gefällt. Mir das endgültige Resultat vorzustellen und darauf hinzuarbeiten, es so umzusetzen wie ich es geplant habe: das motiviert mich am meisten. Darüber hinaus arbeite ich gut, wenn ich unter Druck stehe.

Was machst du, wenn du nicht gerade illustrierst?
Wenn ich nicht illustriere oder male, richte ich derzeit mein neues Berliner Studio ein. Ansonsten fahre ich gerne zu meinen Freunden und Verwandten nach Barcelona oder Cadaqués, schreibe an Ideen für Ausstellungskonzepte, spiele Feldhockey, gehe auf Ausstellungseröffnungen, schaue mir Tierdokumentationen an oder gehe feiern. Hin und wieder schlafe ich.


Fotos: Max Gärtner