Wo fange ich meine Lobhudelei über Isabell de Hillerin an? Bei meiner ersten Assoziation beim Klang des Namens, die mich eher nach Frankreich führte als nach Berlin, Rumänien und Moldawien? Oder bei der positiven und sympathischen Ausstrahlung der Designerin, die ihr von allen attestiert wird, die mit ihr zu tun hatten und haben? Oder bei ihrem ausgesprochen ausgeprägten Talent, Mode für unsere heutige Zeit zu erschaffen, die gleichzeitig an morgen denkt? Vielleicht ist es das Beste, ich beginne irgendwo in der Mitte. 27 Jahre ist Designerin und Labelgründerin Isabell de Hillerin jung und konnte bereits mit ihrer Frühjahr/Sommer 2012 Kollektion viele Modeenthusiasten von sich und ihrem Können überzeugen. Ein Blick zurück und auf de Hillerins Herbst/Winter 2012/13 Kollektion „Mosaik“.

Die gebürtige Münchnerin referenziert in ihren Kollektionen immer wieder auf modische Einflüsse aus ihrer Kindheit – und diese liegen in der Handarbeitskunst älterer Damen aus dem Osten Europas. Wer jetzt sofort an Ethno und Folklore denkt, ist bei der mittlerweile in Berlin ansässigen Designerin allerdings am falschen Ort: de Hillerins Entwürfe verstehen es, traditionelle Techniken mit aktuellem Modedesign zu verknüpfen. Tradition und Moderne schließen sich hier nicht aus, sondern gehen eine modische Symbiose ein. Damit wird nicht nur die aktuelle Modeszene bereichert, sondern auch den alten rumänischen und moldawischen Damen gezeigt werden, dass ihr Talent und ihr Können die Gesellschaft bereichern kann.

Im Lookbook der Kollektion sehen wir das Model Bella 18 Mal in ein und derselben Pose – stramm stehend, nach oben blickend. Einzig ihr Gesichtsausdruck changiert und ihre stoffliche Ummantelung wechselt. Eine unverwechselbar klare Linienführung gepaart mit innovativen Schnitten – Isabell de Hillerin spielt nicht, sondern entwirft Mode für die Gegenwart, die sich ihren Platz im Leben sucht. Nicht gewöhnlich, nicht alltäglich, und dennoch tragbar: Das Mini-Kleid aus Seide mit einem Einsätzen aus Leder und Prägungen mit traditionellen rumänischen Mustern, die „Business“-Kombination aus weißer, hochgeschlossener Bluse und einer grey-mottled Tweed-Hose, das an Star Trek erinnernde Set aus einem fein gearbeitetem Schulterumhang mit V-Ausschnitt bis zum Bauchnabel und einer eng anliegenden Hose mit schwungvollen Stickereien die Beine abwärts oder auch der unschuldig-weiße Einteiler mit leicht abgesteckter Schulterpartie und das klassisch schwarte, bodenlange Abendkleid mit gestickter Borte.

„Das Ganze ist größer als die Summe seiner Einzelteile“ – dank Isabell de Hillerin hält sogar Aristoteles Einzug in die Modewelt und liefert eine mehr als zutreffend Beschreibung für die Arbeit der jungen und aufstrebenden Designerin. Nicht nur wegen diesen beiden Kollektionen war sie am letzten Tag des Lavera Showfloor Berlin  während der Sommerausgabe der Fashion Week zu Gast. Sie präsentierte dort ihre allerneuste Frühjahr/Sommer 2013 Kollektion namens „Eclectic Line“, in der sich moldawische Handarbeitskunst und zeitgenössisches Modedesign miteinander verbinden. Aufgenommen auf dem Tempelhofer Feld zu Berlin präsentiert das Model Liuba Varga die einzelnen Stücke der „Eclectic Line“ unter leichtem Sonnenschein. Um den stetigen Verlust der Kultur entgegen zu wirken, hat Isabell de Hillerin erneut auf die Handwerkskunst aus Moldawien zurückgegriffen.

Traditionelle Stickereien und Muster schmücken etwa den Reissverschluss des himmelblauen Minikleides sowie die Mittelnaht der hellbeigen Chiffon-Bluse. Darüber hinaus besticht die Frühjahr/Sommer 2013 Kollektion, die in Zusammenarbeit mit Tatiana Popa (Casa Parinteasca, Moldawien) und Balestra Berlin entstanden ist, mit ungemein modischen wie tragbaren Kombinationen – sei es eine nahezu klassische Zusammenführung von Bundfaltenhose und Wollpullover – als auch wunderschön fallenden und wallenden Kleidern, ob bodenlang oder kniekurz. Das ist einfach schön, anmutig, geradlinig, zeitgemäß – kurz: tolle und aufregende Mode! In Berlin sind die Kreationen von Isabell de Hillerin bei Konk zu erwerben, unsere Freundinnen und Freunde aus Hamburg können bei Stoffsüchtig fündig werden.

Fotos: Amos Fricke