Frisch und neu, so beschreibt der in Berlin beheimatete Jungdesigner Siddhartha Anselm Meyer die Zukunft. Frisch und neu, so könnte man auch die erste Kollektion des Absolventen der Weißensee Kunsthochschule Berlin bezeichnen, die er im Rahmen des Wettbewerbs Designer for Tomorrow Award 2012 und unter den strengen Augen von Juror Marc Jacobs auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Frühjahr/Sommer 2013 präsentieren durfte.

Seine Herrenkollektion wurde von Jacobs unter die besten drei gewählt. Ein erster Erfolg, dem noch weitere folgen werden, da sind wir uns ziemlich sicher. Warum? Ganz einfach: Meyer entwirft nicht nur klassisch schöne Mode, sondern denkt dabei auch an die im Modebereich häufig gebeutelten Männer (dafür bekommt er einen dicken Pluspunkt von mir). Und noch viel schöner ist, dass seine komplette Kollektion zu einem Drittel aus Altkleidern gemacht wurde – und dass dieser Umstand einfach nicht zu erkennen ist. Neben der obligatorischen Reinigung der gespendeten Materialien ist Meyer selbst überrascht, welch hochwertige Qualität ihm zur Verfügung steht und welch wunderbare Vorlage dies für seine Arbeit darstellt.

Ihm sei wichtig, dass seinen entworfenen Kleidungsstücken eine Geschichte innewohnt und diese eine eigene Identität haben, bereits bevor Meyer die Hand anlegt. Dabei bleibt er unkonventionell und arbeitet statt mit Skizzen direkt an der Puppe oder an Models. Neben der bereits getragenen Kleidung bestehen die Premierenkleider aus einem weiteren Drittel gekaufter Wolle und dem finalen Drittel aus Wollresten. Accessoires, die in Meyers Kollektion ebenfalls nicht fehlen dürfen, wurden aus PVC, Leder und Lederimitat angefertigt.

Weitere Attribute der Premierenkollektion: Eine einfach Vorderseite, eine vielschichtige Rückenansicht. Meyer paart eine klassische Silhouette mit, so wie er selbst meint, „komplexen Vorgängen und Details“. Gerade dies habe Marc Jacobs von ihm und seiner Arbeit überzeugt. Dazu: Knallige und intensive Farben, die zusammen mit der experimentellen Schnitt- und Linienführung ein Gegengewicht zu den klassischen Anzügen schaffen sollen. Modische Gewohnheiten brechen, Neues erfinden und dabei nachhaltig agieren – Siddhartha Anselm Meyer könnte wirklich ein Designer for Tomorrow sein.

Fotos: Jule Felice Frommelt // Designer for Tomorrow