Anne Wenkel ist Illustratorin aus Berlin und sieht den Ursprung ihrer Arbeit im Handgemachten. Sie nutzt Linolschnitte, Schabekartons, Tinte, Collagen, Bleistifte und mischt in ihren Illustrationen alles zu einem Gesamtbild. Für am Computer entwickelte Vektoren, gibt es keinen Platz in ihren Arbeiten. Sie ist ständig auf der Suche nach Projekten, die es verdient haben an ihnen mitzuwirken, um sein Herz voll und ganz der Sache zu widmen. In letzter Zeit hat Anne sich angewöhnt Projekte, die so gar nicht zu vereinbaren sind konsequent abzulehnen, um ihrem eigenen Weg treu zu bleiben. Genau den will sie nämlich in nächster Zeit weiter verfolgen, egal wohin er sie bringen mag. Verschiedene Drucke von Anne sind mittlerweile bei der kleinen Galerie Serigraffeur in Berlin-Friedrichshain erhältlich. Wir hatten nun das Vergnügen einen Blick in Annes Atelier werfen zu dürfen und ihr ein paar Fragen zu stellen.


Wir würdest du deinen Stil beschreiben?
Mein Stil ist Ich.

Was gibt dir deine ständige Inspiration?
Sehr schlaue Leute, sehr dumme Leute, alles was man im Museum für Altertum und Geschichte findet – so alte griechische Keramik z.B. ist total toll – ganz grafische schöne Figuren und Muster sind da drauf. Egon Schiele, Feininger, Schmidt-Rotluff und die ganze Bande aus der Zeit find ich immer wieder zum anbeten fantastisch. Jede Art von Musik – jede Richtung steht für ein anderes Lebensgefühl, da würde ich nie irgendwas ausschließen. Bücher lesen, lesen, lesen. Tanzen, Yoga auch. Blumen, Natur, Tiere… was so kreucht und fleucht. Die Stadt, jede Stadt. R E I S E N. Auf einer meiner Reisen durch Westafrika, habe ich Märchen gesammelt und illustriert – das war dann später auch meine Diplomarbeit. Die Begeisterung an diesem Projekt hält bis heute an und war sehr wichtig für mich und meinen Stil. Und zu guter letzt inspiriert mich, das Leben an sich halt.

Was wäre dein Lieblingsprojekt für die Zukunft?
Ich hab mehrere, die meisten sind aber noch geheim (schmunzelt)
Eins hat zu tun mit Zeichnen im öffentlichen Raum…
Eins hat zu tun mit Workshops in Burkina Faso.
Eins hat mit einem alten Bauernhaus in Thüringen zu tun,
Eins mit Keramik, eins mit Tacos und eins mit…
Ich sag dann bescheid wenn ́s losgeht.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von dir aus?
Ich steh auf so gegen 7.30 Uhr… manchmal auch erst 8.30 Uhr Frühstück, grünen Tee trinken, waschen, anziehen, Tasche packen, aufs Fahrrad setzen, durch Mitte rauschen, Gartenstrasse hoch in den Wedding, Club Mate kaufen oder Espresso in der Stattbar trinken. Mails checken, Facebook – aber nur ganz kurz! :) Und daaaaaann, entweder Arbeit am Rechner machen mit ernstem Gesicht, oder Unordnung auf den Schreibtischen herstellen und ein Bild zeichnen, kleckern, drucken oder kleben. Wenn mir nix einfällt mache ich eine Zeichnung mit geschlossenen Augen, die sehen immer sofort ganz großartig aus. Oder Ich geh raus und laufe ein bisschen rum, dann kommen gleich 10 Ideen. Oder ich mach was ganz anderes, was nix mit zeichnen zu tun hat, das ist auch sehr oft sehr sinnvoll. Man muss auch einen Blumenstrauss auf dem Schreibtisch haben, sonst kann man gar nicht zeichnen.

Wo arbeitest du? Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
Ich habe mein Atelier im Stattbad Wedding, im Dachgeschoss. Es gibt einen tollen Dachbalkon, das ist mein Lieblingsort, zumindest jetzt im Sommer. Mein Arbeitszimmer hat eine Ecke für Computer, Zeichentablett und technischen Kram wie Scanner und so weiter, wo alles halbwegs ordentlich aussieht. Dann gibt es noch einen zweiten Schreibtisch für Bastelkram. Dann hängen an den Wänden 1 Mio. Schnipsel, Gefundenes, Mitgebrachtes und Zeichenunfälle. Es gibt dann noch viele Bücher. Und ein Blümchen, ein fleissiges Lieschen. Es gibt auch eine Schreibtischlampe.

Wann bist du am produktivsten?
Auf jeden Fall bei Tageslicht.

Was machst du wenn du nicht gerade illustrierst?
Ich denke über ein Bild nach. Oder mach was hübsches. Grad hab ich mir eine Ukulele gekauft, damit muss ich jetzt mal üben.

Fotos: Florian Wenningkamp