Matthew Brandt aus Los Angeles ist Fotograf der alten Schule. Nicht nur weil er nach wie vor analog fotografiert, sondern vielmehr, weil er immer noch seine analoge Großformatkamera durch die Berge schleppt, wo andere schon längst auf leichtes Equipment umgestiegen sind. Er selbst sagt, dass er nicht weiß, warum er sich weniger Mühe machen sollte, als die Landschaftsfotografen vergangener Tage, die ihn inspirieren. Der gesamte Entwicklungsprozess seiner Fotos stellt einen sehr wichtigen Teil der Arbeiten dar, denn er schafft es, sein Abbild erneut mit dem ursprünglichen Objekt in Verbindung zu setzen.

Alles begann während seines Studiums, in dem er sich mit den frühesten Formen der Fotografie beschäftigte. Durch einen Zufall brachte ihn sein Studium auch noch zurück in seine Heimatstadt, was dazu führte, dass er eine Reihe von Portraits seiner Freunde machte. Als eine Freundin während des Fotografierens anfing zu weinen, fragte er ob er ihre Tränen haben dürfe. Ihm war durchaus klar, dass die Frage sehr bizarr klang, aber er hatte ja eine Idee, wozu er die Tränen brauchte. Er erinnerte sich an ein sehr altes Verfahren, welches es ermöglicht, Papier durch eine Salzlösung und Silbernitrat lichtempfindlich zu machen. In seiner weiteren Reihe von Portraits benutzte er später allerhand anderer Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Schweiß und vieles mehr.

In seiner wohl bekanntesten Serie Lakes and Reservoirs dreht sich jedoch alles um die Landschaftsfotografie. Im Fokus stehen, wie der Name schon verrät, Flüsse und Gewässer, und auch hier hatte Matthew wieder mal eine Idee, das Foto mit dem fotografierten Objekt zu verknüpfen. Von jedem See nahm er sich Wasser mit, welches später in der Dunkelkammer dazu diente, die Fotoabzüge darin einzulegen. Hierbei entstanden auf den Fotos die absurdesten Farbspiele und Effekte. Matthew wird oft danach gefragt, ob sich der Aufwand lohnt analog zu fotografieren und ich glaube, wenn man sich seine Arbeiten genau anschaut, braucht man keine Antwort auf diese Frage. Es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie jemand sich mit den Ursprüngen seines Handwerks auseinandersetzt und so seinen ganz eigenen Weg findet.

Fotos: Matthew Brandt