Das Älterwerden ist heutzutage keine große Sache mehr. Die Grenzen zwischen den Jahrzehnten sind fließend und ab 40 fängt das Leben scheinbar erst richtig an. Eng mit der, zumindest äußerlich, immer jünger werdenden Gesellschaft, verbunden ist natürlich die Kosmetikindustrie. Lifting Serum, Collagen Cremes oder Q10 versprechen uns eine faltenfreie Visage und rufen förmlich dazu auf, sich jung zu halten. Auf der anderen Seite ist der Begriff „Best-Age Model“ gerade in aller Munde und Frauen jenseits der 40 werben für Kosmetik und dafür, dass Schönheit eigentlich doch eher von Persönlichkeit und Ausstrahlung lebt, als dass sie immer das Synonym für jung bedeuten muss.

Die Einstellung der Medien und der Gesellschaft, die ja bekanntlich durch Nachfrage das Angebot steuert, scheint irgendwie nicht ganz klar. Einerseits wird das Älterwerden zelebriert und andererseits an immer mehr Anti-Aging Kram geforscht.

Die Welt, in der Alter aber gar nicht erst existiert oder zumindest tot geschwiegen wird, ist die der Models. Nur wenige Mannequins schaffen es auch noch mit über 20 ihren Job erfolgsversprechend weiter zu verfolgen und gab es eins die Ära der Supermodels, so scheint gegenwärtig jede Saison ein anderes Modelgesicht besonders gefragt zu sein. Der Dokumentarfilmer und Fotograf Timothy Greenfield-Sanders bricht nun das Schweiger der Models und veröffentlicht zusammen mit dem amerikanischen Fernsehsender HBO eine Dokumentation, die sich unter anderem das Alter zum Thema nimmt.

In „About Face: The Supermodels, Then and Now“ sprechen internationale Models wie Jerry Hall, Isabella Rossellini oder Paulina Porizkova über Falten, graue Haare und Botox. Neben den Ikonen der Modewelt des 20. Jahrhunderts, melden sich außerdem Agenturen und Designer zu Wort. Der Film aus der offiziellen Auswahl des Sundance Film Festivals wurde bereits bei HBO ausgestrahlt. Wann und ob es die Dokumentation auch zu uns nach Deutschland schafft, ist leider noch unklar.

Fotos: Timothy Greenfield-Sanders