Es gibt etwas, das wisst ihr definitiv nicht von mir. Steht auch nicht in meiner Autorenbeschreibung, da es nun mal mit Mode nicht so viel zu tun hat. Dachte ich bisher. Denn was könnte schon mein viermonatiger Aufenthalt in Nepal 2009 auch nur in Ansätzen mit „grüner Mode“ zu tun haben? Wusste ich bis heute auch nicht. Doch dann entdeckte ich die Frühjahr/Sommer 2012 Kollektion von Studio JUX. „My Nepali tailor is a rockstar“ und „Sex up your wardrobe with some of this eco fashion”, so lauten die beiden bekanntesten Claims von Studio JUX aus den Niederlanden.

Wer wie ich schon einmal in Nepal war und die Gelegenheit hatte, in der Hauptstadt Kathmandu zu leben und zu arbeiten, kennt die Gegebenheiten vor Ort: Hohe Luft- und Umweltverschmutzung, niedrige Lebensstandards, ein chaotisches politisches System und das Kastensystem. Keine einfachen Ausgangsbedingungen, um ein gutes Leben zu führen und eine tolle Arbeit zu haben. Bei vielen löst diese einfachste Ausgangslage und die teilweise rudimentären Bedingungen vor Ort ein soziales Engagement aus, welches Gutes bewirkt.

So ähnlich könnte ich mir das auch bei Designerin Jitske Lundgren vorstellen, die, so die Geschichte, auf einer Reise durch Indien einen Färber bei der Arbeit gesehen hat, der durch die Verwendung von chemischen Färbemitteln schon fast die Farbe seines Kleidungsstücke angenommen hat. Dieser Moment war für Lundgren der Auslöser dafür, dass sie in der klassischen Modeindustrie nicht arbeiten kann – vor allem nach ihren eigenen Erfahrungen bei bekannten Marken. Deswegen startete sie JUX. Sie lebt in Kathmandu, wo sie gemeinsam mit einer nepalesischen Kollegin die Produktion leitet. Komplettiert wird das Team von Studio JUX durch Managerin Carlien Helmink, die die Geschicke der Marke von Amsterdam aus leitet.

Die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2012 ist wunderbar überschaubar – für Sie und für Ihn. Neben naturbelassenen Stoffen und Farben beim Herrenhemd, dem femininen Cardigan und einem schlichten Damenkleid stechen drei Stücke aus der aktuellen Kollektion hervor. Zum einen ein klassischer Anzug in modisch-schlankem Schnitt in einem hellen Grau, der durch zartrosa Knöpfe wie Reißverschluss mehr als überzeugt. Zum anderen hat die Dame von Welt die Auswahl aus einem schwarzen Seidenkleid, dass elegant und locker zugleich auf der Hüfte sitzen darf und auch noch eine praktische Seitentasche hat – perfekt demnach für den Sommer in Amsterdam, Berlin und London. Zudem wagt Designerin Lundgren mit einem wunderschönen grauen Leinenkleid mit beigen Knöpfen eine Stilnote. Ausgangspunkte könnte ein altes Herrenhemd sein, welches durch zusätzliche Stoffelemente das Dekolleté verdeckt und damit wiederum die Aufmerksamkeit der Betrachter auf sich lenkt.

Im Gegensatz dazu leitet die Herbst/Winter 2012/2013 Kollektion direkt über in die kälteren Tage des Jahres. Die neuen Teile sitzen an den beiden rothaarigen Models wie angegossen und lassen modische Farbtupfer zwischen dem rot-schimmernden Herbstlaub zu. Ob nun Seidenblusen und Strickoberteile für die Frau oder ein modisch-elegant geschnittener Männeranzug in anthrazit und ein dazu passendes hellgraues Hemd mit froschgrünen Knöpfen als farbiges Element: Mit Studio Jux kann die kalte Jahreszeit definitiv kommen.

Studio JUX ist Mitglied bei der Fair Wear Foundation und der Clean Unique Association. Beide Zusammenschlüsse bemühen sich um faire Löhne, angemessene Sozialstandards und die Verwendung von biologischen Materialien. Aber: Beide haben kein eigenes Zertifikat und begnügen sich zum Teil mit Absichtserklärungen, wie etwa bei der Fair Wear Foundation: Hier langt nach einer IST-Analyse der Produktionsbedingungen ein mittelfristiger Zeit- und Maßnahmenplan – wie, ob und bis wann dieser wirklich in die Tat umgesetzt wird, ist für die Aufnahme in den Kreis der Fair Wear Foundation unerheblich.

Toll zudem: Jeder kann sehen, wer die Kollektion weiterverarbeitet, da die zahlreichen nepalesischen Mitarbeiter in der Rubrik „Handshakes“ auf der Webseite des Labels vorgestellt werden. Der Vorteil bei Studio JUX im Vergleich zu anderen Labels, die ebenfalls „vor Ort“ produzieren lassen: Durch das Leben und Arbeiten in Kathmandu ist Designerin Lundgren so nah an der Produktion der Kollektionen, dass sie selbst überprüfen kann, ob alle Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden. Besser geht es eigentlich nicht. Das Außergewöhnliche an Studio JUX ist aber: Aus diesen guten Vorbedingungen entsteht schöne wie tragbare Mode für Sie und Ihn.

Fotos: Studio JUX