Was passiert wenn man eine Technik nimmt, die für die militärische Luftaufklärung entwickelt wurde, um damit zu fotografieren? Es entstehen Fotos, welche eigenartig schön anzuschauen sind. Der 1980 geborene Ire und Guggenheim-Stipendiat Richard Mosse reiste durch den östlichen Kongo und fotografiert dabei die Rebellengruppen, die in ständig  wechselnden Allianzen nomadisierend  in einer von Hinterhalten, Massakern, und systematischer sexueller Gewalt geprägten Kriegszone im Dschungel kämpften. Dabei fand Mosse im Kongo eine verwirrende und unfassbare Konfliktsituation von solch krasser Realität vor, dass sie an die Grenzen jeglicher Beschreibung stößt und dennoch schafft er es durch seine Fotoserie eine ganz neue Sicht auf all jene Problematiken zu lenken.

Durch die Benutzung des Infrarot-Farbfilms Kodak Aerochrom, erzeugt Richard Mosse in seinen Fotos einen ungewohnten Effekt. Alle Grüntöne im Bild werden durch ein sehr kräftiges Pink bis Purpur ersetzt und nun trifft die geballte Grausamkeit der Szenerie, auf die unglaubliche Schönheit der surrealen Farbwelt. Plötzlich treffen zwei Gefühlsareale aufeinander, die bisher kein gewöhnliches Dokumentarfoto hervorgebracht hat. Diese lösen im Normalfall eher Ekel, Angst oder Mitleid aus. In den späten 1960er Jahren wurde das Medium von Rockmusikern für die Gestaltung von Plattencovern eingesetzt und avancierte in diesem Zusammenhang nach und nach zur Farbpalette der psychedelischen Erfahrung.

Mit der Fotoreihe „Infra“ offeriert Richard Moss ein radikales Umdenken hinsichtlich der Frage, wie ein so komplexer Konflikt wie der andauernde Krieg im Kongo beschrieben werden kann. „Infra“ initiiert dabei einen Dialog mit der Fotografie, der mit einer mitreißenden Meditation über ein gescheitertes Dokumentargenre beginnt und als bewegende Elegie für ein Land voll lebendiger Schönheit endet, das von einer unfassbaren Tragödie betroffen ist. Und für alle Berliner gibt es noch gute Nachrichten, denn derzeit ist es möglich sich die Serie „Infra“ von Richard Mosse im Künstlerhaus Bethanien anzusehen.

Infra: Bis zum 21. Oktober 2012, Dienstag – Sonntag von 14 bis 19 Uhr
Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Straße 10, 10999 Berlin

Fotos: Richard Mosse