Schaut man nur kurz auf Michal Pudelkas Fotos, so könnte man glauben, man hat einen weiteren Modefotografen aufgespürt. Nimmt man sich aber einen kurzen Moment Zeit, so stößt man auf ein Gedankenkonstrukt, das man so vielleicht nicht vermutet hätte. Der 1990 in der Slowakei Geborene hat mit seinen 22 Jahren schon eine ganz ordentliche Laufbahn hinter sich. Während seines Studiums für Kunstgeschichte und Sozialwissenschaften, welches er mit Bestnoten und Auszeichnung bestand, nahm er privaten Unterricht für angewandte Kunst bei Miroslav Pribis, Magdalena Lehotska und Daniela Lehotska. Im fliegenden Übergang wurde Michal nach seinem ersten Studium, dann im Jahr 2009 am Paris College Of Art zuerst für ein Grundstudium angenommen, welches 2010 schließlich zum Fotografie-Studium wurde.

Wenn Michal fotografiert, überlässt er nichts dem Zufall und doch spielt am Ende nicht die Perfektion die größte Rolle. Alle Bilder werden mit einer analogen Kleinbildkamera aufgenommen und keines wird nachträglich bearbeitet oder retuschiert. Laut seiner eigenen Aussage, befasst er sich sehr lange mit dem Konzept jedes einzelnen Bildes und fertigt für jegliche Bilder eine Skizze an. Die Vorbereitung spielt eine große Rolle für ihn und geht so weit, dass er sogar selbst Kleidung entwirft und anfertigt und seine Szenen präpariert. An der Stelle hat man wieder das Gefühl, eine Parallele zur Modefotografie entdeckt zu haben. Das ist auch nicht ganz falsch, allerdings nutzt Michal diese, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.

Wenn sich heute alles um die äußere Schönheit dreht und Medien und Bilder die Menschen wie nie zuvor beeinflussen, fragt sich Michal was Echtheit bedeutet. Was entspricht der Wahrheit und was ist eine Lüge? Er hat festgestellt, dass die meisten Menschen das Bedürfnis haben, sich einer sozialen Gruppe zuzuordnen und sich somit auch visuell angleichen. Michal ist der Überzeugung, dass durch den Versuch sämtliche „Mängel“ zu verstecken, unsere Identität verloren geht. In seinen Fotografien greift er genau diese Gedanken immer wieder auf und spielt mit dem Konzept Ähnlichkeiten durch Unterschiede zu zeigen. Modische Perfektion wird dazu benutzt, die Grenze zwischen real und unreal verschwimmen zu lassen. Abgesehen davon, dass Michals Arbeiten schon in etlichen Publikationen zu sehen waren und er bereits mehrere Ausstellungen hinter sich hat, ist er auch noch Gründer, Chef-Redakteur und Creative Director des Anonym Magazines, welches seit 2010 besteht. Für alle Neugierigen gibt es übrigens alle Ausgaben auch online zum durchblättern.

Fotos: Michal Pudelka