Der mit der Goldenen Palme in Cannes 2012 ausgezeichnete neue Film „Liebe“ von dem Regisseur Michael Haneke hat nicht nur das Feuilleton durch die Bank weg begeistert, sondern auch viele Menschen, die ihn bisher gesehen haben, nachhaltig und tief beeindruckt. Es ist bereits die zweite Goldene Palme für Michael Hanke nach dem Film „Das weiße Band“ im Jahr 2009. Und ohne dass das Wort ‘Liebe’ auch nur ein einziges Mal im gesamten Film vorkäme, spricht er doch in leisen und sentimentalen Bildern nur davon.

Doch es ist auch ein Film über Krankheit, Alter, Hinfälligkeit, Sterben und den Tod, alles Themen, welche die meisten Menschen in ihrem Alltag lieber verdrängen. Der Film schafft es die Begrifflichkeiten auf eine intensive und doch zärtliche Weise zum Thema zu machen. Und inmitten digitaler Bilderstürme und medialer Auflösung der Wirklichkeit schuf Michael Haneke ein Kino, das etwas zu sagen hat. Über den Menschen und die Welt, in der er lebt. Und über das, was ihr fehlt. Die Liebe möglicherweise.

Die kultivierten und pensionierten Musiklehrer Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva) sind in ihren Achtzigern, trotz ihres hohen Alters lebensfroh geblieben und genießen ihre gemeinsame Zeit. Jeder ist für den anderen da. Ihre Tochter Eva (Isabelle Huppert), ebenfalls eine Musikerin, lebt mit ihrer Familie in Europa und schaut ab und zu bei den Eltern vorbei. Gleiches gilt für den Star-Pianist Alexandre (Alexandre Tharaud). Doch eines Tages erleidet Anne einen Schlaganfall. Fortan ist sie unterhalb der Hüfte halbseitig gelähmt.

Mit aller Kraft und so gut es ihm möglich ist, sorgt sich George mit bedingungsloser Hingabe um seine Frau. Als sich Annes Zustand jedoch immer weiter verschlechtert, gerät auch er an seine Grenzen. George schafft es nicht mehr, alle Aufgaben allein zu bewältigen und benötigt die zusätzliche Hilfe zweier Pflegekräfte. Die einst glückliche Beziehung scheint zu zerbrechen. „Liebe“ ist eine Reise in den Tod und doch kein deprimierender Film. Der Film läuft bereits seit dem 20. September 2012 im Kino und das Drehbuch ist nun im Hanser Verlag zu haben. Bitter und berührend, aufwühlend und warmherzig, streng und grenzenlos.

Fotos: X Verleih