Während die Bäume immer mehr Blätter lassen und es draußen immer kälter wird, kommen auf unsere Körper immer mehr Kleidungsschichten hinzu. Da ist uns die wunderschöne Kollektion von Talia Shuvalov gerade recht. Dass sie eigentlich für nächsten Sommer entworfen wurde, tut dem keinesfalls Abbruch, schließlich lassen sich Inspirationen das ganze Jahr über sammeln.

Als gebürtige Australierin absolvierte Talia Shuvalov ihren Bachelor in Fashion Design and Technology auf der University of Technology in Sydney, um anschließend als Praktikantin bei Alexander McQueen und dessen Herbst/Winter 2009/2010 Kollektion zu assistieren. Zusätzliche Beschäftigung als freiberufliche Knitwear Designerin brachten ihr Aufträge bei Josh Goot oder Friedrich Gray ein und lenkten zudem weitreichende Aufmerksamkeit auf ihre herausragenden Arbeiten.

Auf Einladung von Donna Karan erhielt Shuvalov 2010 die Chance, neben nur 17 weiteren internationalen Jungdesignern, im Masterprogramm Fashion Design and Society an der New Yorker Parsons The New School for Design teil zu nehmen. Während ihres dortigen Studiums entwarf sie Capsule Collections für Donna Karan, Theyskens Theory und Zegna Baruffa. Wobei besonders die letztere, die den Namen ‘Bilinear’ trägt, durch verschiedene Features in Magazinen wie RUSSH Australia oder VS Magazine New York sowie Slots und Ausstellungen in Florenz, London und Shanghai aufgefallen ist.

Einmal ins Auge gefasst und Gefallen gefunden, wurde natürlich auch ihre aktuelle Kollektion für Frühjahr/Sommer 2013, die letztes Jahr im Rahmen ihrer Masterarbeit entstand, genau beäugt und hat die Erwartungen nicht enttäuscht. Grau melierte Strickoberteile, die durch ihre Oversize Layers hervorstechen, und sanftfarbene Jeans kreieren kombiniert eine Silhouette, die durch den Kontrast von schwer und leicht ins Gedächtnis dringt und dort nicht mehr verschwinden möchte. Farblich abgesetzte Ärmel und großformatige Patches aus kunstvollem Strick verleihen der anfangs eher unförmigen Statur Dynamik und Energie.

So schön kann also gesellschaftliche Kritik sein, denn das gehörte beim Design der Kollektionen zu den Aufgaben der 18 Parsons Absolventen. Und was die 25-jährige Australierin hier entwarf, dient ihr nach als “bedenkliche Externalisierung der Konsumkultur, der Anhäufung und des Materialismus”. Durch Re-Konstruktion von mehreren Vintage T-Shirts entstehen so einzigartige, neue Sweater und Shirts, die hoffentlich etwas länger die Favoriten im Kleiderschrank bleiben und nicht schon bald wieder durch unzählige weitere und doch immer gleiche Oberteile ersetzt werden, die dann wiederum ganz schnell bei den Unerwünschten landen.

„The collection explores the re-consumption of basic elements of dress such as the tee shirt, jeans and sweater. Repeating the cycle of consumption through sourcing, fabrication and make of the garments, I aim to redirect the position of these basic items into a luxury market“, erklärt Talia Shuvalov, die zurzeit als Senior Knitwear Designerin bei Narciso Rodriguez in New York arbeitet. Interessante Ansätze und Talent hat die Dame ja schon mal, nun sind wir gespannt, wie es mit ihrem eigenen Label weiter geht und was sie für die nächste Saison zaubert.

Fotos: Cara Stricker