Die Brille ist bereits seit langem ein IT-Accessoire. Häufig ist nicht mehr erkennbar, ob die Brille wirklich den Nutzen hat, für den sie einstmals geschaffen wurde. Für alle, die eine Brille tragen wollen und für alle, die eine Brille tragen müssen, gibt es nun stilsichere Rettung: Jimmy Fairly aus Paris. Meine absoluten Highlights der jetzt auch in Deutschland erhältlichen Brillen: Der Klassiker Monroe mit karamelbraunem Hornversatz und geschwungenem Gestell, die klassisch-schöne Form von Patrice Cassard für Sie und Ihn als auch Heidi für den großen Auftritt und Cachemire & Soie für den kalten Winterspaziergang an der Seine.

Zu Recht wird nun die Frage aufgeworfen, was Jimmy Fairly eigentlich mit „Grüner Mode“ zu tun hat. Hierfür sprechen zunächst der Preis und die Qualität der Brillen der beiden Gründer Sacha Bostoni und Antonin Chartier. Durch den Wegfall von Zwischenhändlern und der sehr kurzen Produktionskette bieten die beiden Designer zu einem fairen und dennoch im Vergleich zu den Mitbewerbern günstigen Preis an – inklusive entspiegelten Gläsern. In Paris werden die Entwürfe designt, die im Anschluss in Italien unter der Wahrung der traditionellen Brillenfertigung  gefertigt werden. Die Gläser wiederum werden dann wieder in Frankreich von einem Glashersteller produziert. Hochqualitative Brillen und Gläser für anspruchsvolle Kunden, so ein Credo von Jimmy Fairly.

Darüber hinaus fühlen sich die beiden Gründern aber auch einer anderen Sachen verpflichtet. Über 700 Millionen Menschen leben weltweit mit Sichtproblemen. Ein Großteil von ihnen hat keinerlei Möglichkeiten, ihre Sehfähigkeit mit einer Brille zu verbessern. Deswegen praktiziert Jimmy Fairly das Prinzip „Buy one, give one“: Für eine gekaufte Brille wird eine Brille an Menschen mit Sehproblemen gespendet. „Buy one, give one“ ist aus meiner Sicht eine gute Sache und gleichzeitig kein Allheilmittel. Das Prinzip, dass auch von Marken wie TOMS (Schuhe) oder Warby Parker (ebenfalls Brillen) verfolgt wird, steht auch in der Kritik. Zum einen verfolgt das Prinzip eine hehre Sache und versucht, durch „guten Konsum“ zumeist Hilfsorganisationen weltweit zu unterstützen. Zum anderen werden dadurch natürlich Abhängigkeiten und Strukturen geschaffen, die zum Beispiel einheimische Märkte zerstören können. Letztlich ist es ein schmaler Grat und ein Abwägen, welche positiven Effekte durch „Buy one, give one“ erzielt werden können.

Sacha Bostoni und Antonin Chartier unterstützen mit ihren Brillenverkäufen drei NGOs in Frankreich, Guinea und Nord-Indien. Emmaüs Solidarité ist eine laizistische Stiftung und kümmert sich seit 1954 um die Unterstützung von Menschen in extremer Armut ohne Obdach und Arbeit in Frankreich. Voir la Vie kämpft seit 1994 in Guinea gegen die Erblindung von Menschen. Durch Spenden in den zurückliegenden 17 Jahren konnten vier Zentren für Mikrochirurgie gebaut und in Betrieb genommen werden, in denen kostenlose Beratungen und chirurgische Eingriffe für Bedürftige durchgeführt werden können. Peuples de l’Himalaya wiederum hilft seit 1999 den Bewohnern der Regionen Zanskar und Ladakh durch kostenlose medizinische Untersuchungen. Seit Mitte November sind die Brillen – 25 Sonnenbrillen und 50 Sichtbrillen – nun auch in Deutschland online erhältlich. Für alle anderen lohnt sich der Besuch im Pariser Flagship Store.

Fotos: Jimmy Fairly