Die Macht der Worte ist ein vielzitiertes Motiv. Doch dass Worte tatsächlich direkt die Realität verändern, ist ein eher seltenes Phänomen – in der Tragikomödie „Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin“ von dem Regie-Duo Jonathan Dayton und Valerie Faris, passiert jedoch genau das. Calvin (Paul Dano) ist ein junger Schriftsteller, der gleich zu Beginn seiner Karriere einen phänomenalen Bucherfolg hatte, aber seitdem mit dem Schreiben hadert. Denn allmählich gehen ihm die Ideen aus und seine Karriere gerät erstmals ins Stocken, womit eine verfrühte Schaffenskrise einher geht. Dabei hat er mit seiner Schreibblockade ebenso zu kämpfen wie mit seinem Liebesleben welches quasi nicht existiert. Doch schließlich schafft er es, sich geistig zu befreien und erfindet eine Romanfigur namens Ruby Sparks, die ihn sowohl motiviert als auch zu neuen literarischen Höhen inspiriert.

Etwa eine Woche später erwacht seine fiktive Frau (Zoe Kazan) jedoch zum Leben und sitzt völlig unerwartetbei ihm Zuhause auf der Couch. Calvin ist völlig baff und kann nicht glauben, dass seine Romanfigur wirklich zu Fleisch und Blut geworden ist und nun vor ihm sitzt. Nach einiger Zeit fängt es an zwischen den beiden zu knistern. Doch die Geschichte schert aus: Ruby macht sich frei und gewinnt an Eigenleben. Calvin, der immer noch via Schreibmaschine die Macht über sie hat, aber eigentlich nicht mehr Hand an die Tastatur legen wollte, manipuliert sie nun doch. Wenn Ruby zu viel ausgeht, macht er sie zum kuschelbedürftigen Heimchen. Wenn sie dann depressiv wird, macht er sie quietsch-fröhlich. Und geht sie ihm wiederum auf die Nerven, kommt der nächste Twist. Für Calvin ist Ruby ein selbstverständlicher Teil seiner Geschichte. Dass sie auch eine eigene braucht, bemerkt er nicht.

Der neue Film der Macher von „Litte Miss Sunshine“ beginnt als Komödie und endet als modernes Fantasy-Märchen. Geschrieben von der Hauptdarstellerin selbst, wird hier eine Geschichte erzählt, die nicht von dieser Welt scheint und sich doch mit ganz alltäglichen Beziehungsproblemen beschäftigt. Denn obwohl Ruby Calvins Fantasie entsprungen ist, ist sie doch ein Wesen mit Wünschen und Bedürfnissen. Und Calvin dabei zu begleiten, wie er lernt, mit seinem fleischgewordenen Traum zu leben und ihn zu respektieren, das geht zu Herzen und entwickelt mit seiner leichten Erzählweise, seinen originellen und träumerischen Bildern und seiner stimmungsvollen Musik einen ganz eigenen Zauber. Eine Independent-Komödie aus Hollywood mit französisch-surrealem Charme. Der heiter-skurrile Film, der in Nebenrollen mit Antonio Banderas und Annette Bening besetzt ist, läuft ab dem 29. November 2012 in den deutschen Kinos.

Fotos: Twentieth Century Fox