Am 1. Oktober 2012 begann alles. Und zwar mit einer Crowdfunding-Kampangne für „Cool aussehen“ auf Startnext. Ein essentielles Buch über Jugendkulturen und ihre ästetischen Codes innerhalb der Mode, initiiert und zusammengetragen von Diana Weis, Modesoziologin und Dozentin für Ästhetik und Modetheorie in Berlin. Innerhalb eines Monats kamen so die benötigten 2.500 Euro zur Finanzierung des Projektes zusammen und die Buchidee ist nun gedruckte Wahrheit geworden. Und obwohl über Jugendkulturen und ihre Moden bereits schon viel gesagt worden ist, so entwickelt sich beides auch permanent weiter. So entsetehn neue Jugendkulturen und alte erleben ein Revival oder werden neu interpretiert. Das Buch versammelt Beiträge von 22 Autoren und beinhaltet Fotografien und Texte über Gruppen wie Punks, Mods, Emos, Metalheads, Lolitas, und viele andere.

Jugendkulturen machen Mode. Styling wird zu einer Form des Protests: Das Auftauchen jugendkultureller Moden nach dem Ende des 2. Weltkriegs zeigte auf neue und spektakuläre Weise das subversive Potenzial von Kleidung. Die bedingungslose Eleganz von Punks, Rockern, Poppern oder Mods prägte einen neuen Stilbegriff, der nicht für Geld zu haben ist, sondern Attitüde und Mut erfordert. Die Mode-Industrie bedient sich in den letzten drei Jahrzehnten ausgiebig bei den Jugendkulturen. Kaum ein Designer zwischen Mailand und New York, dessen Entwürfe ohne ein Zitat „von der Straße“ auskommen. So werden vormals marginalisierte Jugendliche zu Trendsettern stilisiert, von deren Glaubwürdigkeit, Kreativität und Wildheit man sich gerne etwas ausborgt.

Doch die Mode der Jugendkulturen ist alles andere als ein Oberflächen-Phänomen: Widersprüche werden offen gelegt und neue ästhetische Utopien entworfen. Generations-, Klassen- und Gender-Konflikte werden aufgelöst, umgedeutet oder neu zusammengesetzt. Man muss davon ausgehen, dass es für die konsequente (Stil-) Verweigerung, die diese Jugendlichen zur Schau tragen, gute Gründe gibt. Es lohnt sich, genau hinzuschauen. „Cool aussehen“ versammelt Helden und Heldinnen der Straße, die in ihrer Kompromisslosigkeit zu Stil-Vorbildern für Generationen geworden sind. Ein Muss für Modefans, die jung waren, jung sind oder gerne für immer jung bleiben würden.

Cool aussehen: Mode & Jugendkulturen von Diana Weis, Archiv der Jugendkulturen Verlag, November 2012, Deutsch, 240 Seiten, für 25 Euro

Fotos: Cool aussehen