Ein Klavier flutet den Raum. Eine Frau blickt uns tief an. Ihre Blicke heften sich an die Kamera, als könnten sie sonst in der Flut verloren gehen. Gegen diesen Blick kann man sich nicht wehren. Eine Theater-Umkleide ist der Beginn des Musikvideos „Laura“ von Bat für Lashes, das die Künstlerin in ruhigen Bildern auf eine einsame Bühne begleitet.

Bat for Lashes ist das Projekt der englisch-pakistanischen Sängerin Natasha Kahn. Auf dem Cover ihres neuen Albums „The Haunted Man“ ist sie nackt und in schwarz-weiß zu sehen, wie sie einen ebenfalls nackten Mann auf den Schultern trägt. Beute oder Errettung? Die Nacktheit steht im Zentrum, ohne die Person zu entblößen. Ebenso wie sich in dieser Inszenierung eine gewisse Verschwiegenheit äußert, gibt auch die düstere, märchenhafte Musik von Bat for Lashes nie das letzte Geheimnis preis. Das Bild unterstreicht zudem, worum es Natasha Khan künstlerisch geht: Die Pop-Welt mit den eigenen Mitteln zu beherrschen. Und diese Mittel speisen sich auf „The Haunted Man“ wieder aus den bewährten Quellen der Pop-Romantik. Verfeinert mit elektronischen Beats und märchenhaften Texten.

Im Vordergrund steht dabei immer der Gesang von Natasha Khan. Die vereinnahmende, warme Stimme hat den Drang zur Hypnose und lässt im Kopf des Zuhörers dieselben Träume entstehen, wie sie die knapp 33-jährige wohl zuvor selbst geträumt hat. Die so erschaffenen Welten sind voller Imagination, düster und metaphorisch, lassen aber immer einen warmen Lichtschimmer inmitten der Dunkelheit aufblitzen. Auf ihrem neuen Album schraubt Bat for Lashes den experimentellen, verspielten Charakter ein wenig zurück und bekennt sich offener zur Popdramaturgie: Klare Refrains, viel Raum für Emotionen, eine klassische Instrumentierung, viel Piano. Trotzdem ist dieses Album so abwechslungsreich und vielseitig, dass man förmlich spüren kann, wie eine Künstlerin in dieser Musik den passenden Ausdruck dafür gefunden hat, das Lebendigsein in verschiedensten irdischen Abhängigkeiten auszuloten.

Natasha Khan lebt derzeit in Brighton. Mit „Fur And Gold“ (2006) und „Two Suns“ (2009) hat die Künstlerin bereits zwei Alben veröffentlicht. „Two Suns“ erreichte dabei Platz fünf der britischen Charts, das Stück „Daniel“ brachte der Künstlerin den „Ivor Novello Award 2010“. Sie spielte im Vorprogramm von Radiohead und arbeitet nicht selten mit anderen Musikern zusammen. Während Legende Scott Walker einen Beitrag zum Schlussduett „The Big Sleep“ auf „Two Suns“ ablieferte, sind auf „The Haunted Man“ Künstler wie Beck, das Portishead-Mitglied Adrian Utley oder Justin Parker als Gäste vertreten. Letzterer war maßgeblich für Lana Del Reys Hit „Video Games“ verantwortlich. Was aus den Kollaborationen und bisherigen Erfahrungen wuchs, fügt sich auf „The Haunted Man“ zu einer genialen, vielleicht zu der besten Platte von Bat for Lashes zusammen.

Zum Schluss des Musikvideos „Laura“ von Noel Paul, der auch bereits für „All Your Gold“ verantwortlich war, mit Marques Toliver, kommt die Sängerin zu einem finalen Tanz mit Vincent Fox alias Lavinia Co-Op zusammen, einem der bekanntesten Transvestiten New Yorks. Dazu singt Natasha Khan das Versprechen heilsamer Zweisamkeit: „Drip your arms around me and softly say ‘Come, we dance upon the tables again’.“

Fotos: Bat for Lashes