Der junge laotische Designer Hien Le aus Berlin, der in der vergangenen Saison noch im Zelt aussetzte und nur auf der Capsule zeigte, eröffnete zu den Klängen von Michael Jackson mit seiner neuen Herbst/Winter 2013/14 Kollektion „We see what we want“ am Dienstagmorgen erstmalig die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, mit einer von der abstrakten Farbfeldmalerei des Künstlers Mark Rothkos inspirierten Kollektion für Frauen und Männer. Und anders als in seiner vorhergegangenen Kollektion, welche durch lebhafte Farbkontraste geprägt war, schlägt er diesmal mit einer Farbpalette von Mitternachtsblau, Cremefarben und Gold sanftere Töne an und wendet sich von gemusterten Textilien mehr den monochromen Materialien zu.

Er hat Rothkos Art und Weise, Farbkontraste durch harmonisierende Zwischentöne zusammenschmelzen zu lassen, adaptiert und in eine Art Holzmaserung überführt. Der Einsatz von Falten fungiert hier als ein ergänzendes Merkmal, mit dem experimentelle neue Formen und Silhouetten erprobt wurden. Der gewohnte Minimalismus wird dadurch jedoch nicht abgeschafft, sondern vielmehr betont. Und auch Gehäkeltes findet erstmals als distinktes Detail unter anderen verarbeiteten Stoffen in die Kollektion. Hien Le bleibt mit den Entwürfen seinem Namen für synonym verstandenen ästhetischen und qualitativen Ethos kompromisslos treu.

 

Das Berliner Modelabel Sopopular steht für urbane Männermode, kombiniert mit klassischen Schnitten und schmalen Silhouetten sowie kantigen Streetwear-Elementen. Nun zeigten sie ihre mittlerweile achte Herrenkollektion im Studio des Mercedes-Benz Fashion Week Zelts am Brandenburger Tor. Unter dem Titel „The Wild One“ wurden insgesamt zwölf Styles für die kommende Wintersaison präsentiert, militant aufgereiht in zwei Reihen und zu eigens für die Kollektion komponierter Musik. Inspiration kam dabei von weltbekannten Filmrebellen aus Hollywoodklassikern wie Marlon Brando in dem für die Kollektion titelgebenden Film „The Wild One“ oder Walther Hills in „The Warriors“. Oder wie Designer Daniel Blachman es beschreibt: „Alleine sind sie stark, gemeinsam sind sie unschlagbar.“

Harte Jungs mit bösem Blick und dem Baseballschläger in der Hand: Die Herbst/Winter 2013 Kollektion von Sopopular umfasst Styles, die typisch für die Banden- und Gangkultur sind. Clubjacken aus Wildleder, klassische Blazer aus feinster Wolle, gewachste Hemden und Longsleeves. Die Farben variieren zwischen traditionellem Schwarz und gedämpften Farbtönen wie Grau sowie Moosgrün, das als Akzent eingesetzt wird. Eines der Key-Pieces der Kollektion ist fraglos die kastige Bikerjacke mit Leder- und Nietenapplikationen an der Schulter- und Armpartie und asymmetrisch gesetztem Zipper. Stilecht werden geschnürte Armyboots von Dr. Martens und eine gerade geschnittene Hose kombiniert. Ein weiterer Schritt für unvergängliche Streetwear und gegen die Schnelllebigkeit der Mode.

 

Die beiden Berliner Designerinnen Johanna Perret und Tutia Schaad zeigten mit ihrer Herbst/Winterkollektion 2013/14 für Perret Schaad eine intensive Kollektion, die durch Strukturen, Materialien, Oberflächen und raffiniert zurückhaltende Schnitte anzieht. „Der Blick von Innen aus einem Fenster an einem eisklaren Tag“, inspirierte das Designerduo zu den interessanten Kontrasten und der starken Farbharmonie. Und so lebt die Farbpalette von spannenden Kombinationen kalter, kristallinen Blau- und Grautöne mit warmen Naturtönen wie Rostrot, Beige und Schiefergrün. Es sind Kombinationen, die erst auf den zweiten Blick ihre Wirkung entfalten. Und auch die Schnitte sind gewohnt experimentell. Grafische Strukturen, Raffungen und komplexe Schnittführungen.

Bei Perret Schaad kommt das Material beim Spiel mit den Oberflächen zum Einsatz und wird durch leichte Drapierungen unterstrichen oder in skulpturalen Stücken gebrochen. Hier trifft Hart auf Weich und Details wie Schößchenelemente an Tops oder goldene Reißverschlüsse an Eggshape-Kleidern und Mänteln setzen Akzente. Eine leise und harmonische Kollektion mit einem ausgewogenen Mix aus rauem Minimalismus und weiblich-eleganter Linienführung. Einzig extravagante Ausnahme: Die großflächigen Print von dreidimensionalen Papierskulpturen des Künstlers Peter Jap Lim aus Berlin, der hier und da ein paar Flamingos über die Seide huschen lässt. Das Printexperiment liefert eine gelungene Abwechslung zur sonst so klaren Linie des Duos.

 

Im vergangenen Juli überzeugte der Spanier Leandro Cano die hochkarätige Jury um Schirmherr Marc Jacobs und gewann als erster internationaler Designer den Nachwuchsaward „Designer for Tomorrow“ by Peek & Cloppenburg Düsseldorf. Nun präsentierte er seine neue Kollektion „Ánima – die Seele“, dramatische Entwürfe mit üppigen Silhouetten und detailreichen Keramikapplikationen. „Azrael, der Gehilfe Gottes – der weiße Engel hilft allen Seelen, die Schwelle ins Licht des Himmels zu überschreiten“ ist hierbei Inspiration für eine Kollektion voller Melancholie, in der moderner Zeitgeist auf barocke Nostalgie trifft. Dabei bleibt Leandro Cano seinem opulenten Stil treu.

Die Kreationen in Wollweiß und Bordeaux bestechen durch ausladende Formen, hochwertig verarbeitete Wolle, Fake-Fur-Elemente sowie transparentes Plastik und bedrucktes Leder. Besonderes Highlight: ein Kleid mit üppigem Rock, floralem Print und handgefertigten Keramikblumen. „Den Konzeptentwurf zu Beginn des Designprozesses verbinde ich mit schönen Momenten: Stoffe auswählen und verschiedene, experimentelle Schnitt- und Veredlungstechniken entwickeln – beides wichtige Merkmale meiner neuen Kollektion.“, so der Designer Leandro Cano selbst.

 

Fotos: Huss/Truong, Juan Manuel Sanchez, Mercedes-Benz Fashion Week, Designer for Tomorrow