Aus dem Nichts, ohne Ankündigung, ohne Marketing, einfach so: Am Freitag erschien das fünfte Studioalbum von Beyoncé. Niemand hatte die Scheibe auf dem Schirm. Überraschend ist nicht nur die Art und Weise des Erscheines. Die selbstbetitelte LP ist ein Gesamtkunstwerk mit 17 Musikvideos. „The Visual Album“ nennt Beyoncé das. Hört sich aufs Erste recht abgedroschen an. Dahinter steckt aber eine ganze Menge mehr, also ein paar passende Visuals zur Musik. Mrs. Knowles kritisiert im Album-Trailer den aktuellen Musikkonsum. „It’s all about the single, and the hype“. Ein Album wird heute viel weniger als früher, als komplettes Werk betrachtet. Dank iPod und Co. werden nur noch einzelne Songs herausgepickt und wieder und wieder in Endlosschleife abgespielt.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt. Queen B möchte die Bilder, die sie zu Ihren Songs im Kopf hat zum Hörer transportieren. „I see music is more than just what I hear“. Die dabei entstandenen Clips sind keine schnell produzierten Streifen zur visuellen Untermalung der Songs, im Gegenteil. Jedes Video wurde mit höchstem Aufwand produziert. Keines gleicht dem Anderen. Mal gibt es Strandszenen im Super-8-Style, mal girlymäßige Bilder von einem Kirmes, genauso wie R’n'B-ästhetische Räkeleien im Wasser oder Hip-Hop-Posereien. Auch ein kritisches Video mit Blick auf die Modebranche ist dabei. Ihr seht, es werden vielfältige Themen und Szenen aufgegriffen.

Und die Musik? Wow! Das Album ist nicht nur visuell gelungen. Auch musikalisch macht es richtig Spaß, schon beim ersten Hören. Außerdem ist es wirklich abwechslungsreich. Mal hymnischer R’n'B nach Beyoncé-Manier, mal Hip-Hop unterstützt von ihrem Ehemann Jay-Z. Aber auch housige Beats und dunkle Dubstep-Klänge sind auf „Beyoncé“ zu finden. Nicht zu vergessen: mitreissende oder verträumte Balladen. Kein David-Guetta-Calvin-Harris-Geheize, keine Black-Eyed-Peas-Features, kein cheaper Electro – einfach Beyoncé. Bravo!

Das Album gibt es leider nur exklusiv bei iTunes. 14 Tracks, 17 Videos und ein digitales Booklet für etwa 15 Euro. Dagegen kann man nichts sagen. Die Exklusiv-Strategie hat sich ohne Zweifel ausgezahlt. „Beyoncé“ hat den bisherigen iTunes-Verkaufsrekord gebrochen. 828.773 verkaufte Exemplare in nur drei Tagen. So schnell wurde noch nie ein Album in Apples Musikladen verkauft. Dazu gab es Nummer-eins-Positionen in 104 Ländern. Der Wahnsinn. „What is your first aspiration in life?“ – „…My aspiration in life… would be… to be happy.“

Foto: Beyoncé